Musicboard : Ab Januar gibt es eine Million für die Musikszene

Von der Schließung bedrohte Klubs wird wohl auch das neue Musicboard nicht retten können. Aber es soll Berlin als Popmusikstandort ganz nach vorne bringen.

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Noch so ein bedrohter Strandclub: Das Yaam muss Ende des Jahres schließen. Der Umzug auf das versprochene Ersatzgrundstück an der Schillingbrücke ist nicht sicher. Das Areal wurde nun i n den Gesprächen für ein Ersatzgrundstück für das Bauprojekt an der East Side Gallery ins Spiel gebracht.Weitere Bilder anzeigen
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25.03.2013 17:47Noch so ein bedrohter Strandclub: Das Yaam muss Ende des Jahres schließen. Der Umzug auf das versprochene Ersatzgrundstück an der...

Auch das neue Musicboard wird Klubs, die von der Schließung bedroht sind, nicht retten können. Wenn sich Anwohner – wie beim geschlossenen Knaack – durch alle Instanzen klagten, dann könne auch der Senat nichts machen, sagte Senatskanzleichef Björn Böhning (SPD) am Montag bei der Vorstellung des Projekts. Das Musicboard könne vielleicht den Lärmschutz fördern – alle Anforderungen könne es aber nicht erfüllen.

Das geht auch nicht mit einer Million Euro im Jahr, die ab 2013 zur Verfügung stehen soll. Zum Vergleich: Das Vorbild Medienboard bekommt 29 Millionen. Böhning warnte vor der These des Klubsterbens, damit tue man den Klubs und deren Wahrnehmung keinen Gefallen.

Bisher sind die Aufgaben des Musicboards nur grob klar. Es gab erste Gespräche mit den Netzwerken, Plattenfirmen, Musikern, sagte Böhning. In weiteren Gesprächen sollen Struktur und Inhalte definiert werden. Man betrete bundesweit „völliges Neuland“. Das Musicboard soll einen „musikwirtschaftlichen Fokus“ haben und den Popmusikstandort Berlin stärken. „Berlin soll international ausstrahlungsfähig bleiben“, sagte Böhning. Das sei „ein großes Problem“, gerade da die Music Week nun ohne Musikmesse Popkomm stattfinde. Die Branche sei ein „gewichtiger Wirtschaftsfaktor“, mache eine Milliarde Euro Umsatz, beschäftige „mehrere zehntausend“ Mitarbeiter.

Um die Rahmenbedingungen zu verbessern und die Kommunikation zwischen Verwaltung und Musikwirtschaft zu fördern, soll eine zentrale Anlaufstelle her. Die Vernetzung soll innerhalb der Branche gefördert werden. Und der Nachwuchs soll unterstützt werden, wenn die Musiker auf der Suche sind nach Proberäumen, Auftrittsmöglichkeiten oder auch Produzenten. Im September soll das Konzept stehen, mit Jahreswechsel die Arbeit beginnen. Das Musicboard werde nicht die bestehende Musikförderung ersetzen, auch nicht die Liegenschaftspolitik des Landes neu gestalten, sagte Böhning. Aufgabe des Landes sei, für gute Kommunikation zu sorgen.

Clubcommission-Sprecher Lutz Leichsenring wünscht sich den Aufbau einer Infrastruktur, die Faktoren wie Anwohner, Lärmschutz und Gentrifizierung berücksichtigt. Das internationale Marketing solle ebenfalls am Musicboard angesiedelt sein.

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