Berlin : Musik erzieht

Benefiz mit Daniel Barenboim und Lang Lang

Elisabeth Binder

„Ich habe von der Musik gelernt, wie man leben kann“, bekennt Daniel Barenboim. Das will er auch anderen ermöglichen. Direkt nach der Pause des umjubelten Benefizkonzerts für den Musikkindergarten, der nicht nur sein Abenteuer, sondern auch sein Herzensprojekt ist, tritt der Dirigent und Pianist in der Philharmonie ans Mikrofon. Erzählt von der kleinen Wohnung in Argentinien, in der er als Kind mit seinen Eltern lebte, die beide Klavierunterricht gaben. „Immer wenn es bei uns klingelte, kam jemand, um Klavier zu lernen. Ich dachte damals, die ganze Welt spielt Klavier.“ Es geht ihm aber nicht in erster Linie um Musikerziehung oder Begabtenförderung: „Musik ist nicht nur dazu da, von der Welt abzulenken, sondern auch dazu, von der Welt und den Menschen zu lernen.“

Um dieses Konzept zu illustrieren, hätte er sich für die Benefiz-Matinee keinen besseren Partner wünschen können als Lang Lang, den weltweit gefeierten, 23-jährigen chinesischen Pianisten. Er war erst drei Jahre alt, als er in seiner Heimatstadt Shenyang am dortigen Konservatorium seine Ausbildung begann. Inzwischen hat er mit den besten Orchestern der Welt musiziert. Aber das ist nicht die Hauptsache, denn es geht in Barenboims Kindergarten ja gerade nicht darum, Solisten heranzuziehen. Lang Lang versteht es virtuos, Klavier- und Mienenspiel zu einem Gesamtkunstwerk zu verbinden und die Emotionen der Musik so auch bildlich erfahrbar zu machen. Dazu eignete sich besonders gut die Konzert-Fantasie über Motive aus Mozarts Don Giovanni für zwei Klaviere, die er mit Barenboim gemeinsam spielte. Neben dem Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 e-Moll von Frédéric Chopin gab es noch ein Stück zu hören, das gut zum Anlass passte. Maurice Ravel komponierte „Ma Mère l’Oye“ für die Kinder von Freunden und ließ sich dabei von einer Märchensammlung inspirieren.

Am Ende lagen sich die beiden Pianisten in den Armen. Immerhin 150 000 Euro sind für das Projekt (www.musikkindergarten-berlin.de) zusammengekommen. Lang Lang bedankte sich bei den Zuhörern, „dass Sie das Publikum gespielt haben“. Dann fügte er etwas hinzu, was er in seinem eigenen Leben intensiv erfahren haben mag, was aber auch für den Kindergarten, der am 5. September eröffnet hat, ein Leitmotiv werden könnte: „Musik ist Erziehung.“

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