Berlin : Musikbücherei Charlottenburg droht mit Bezirksfusion das Aus

Cordula Däuper

Die Musikbibliothek in Charlottenburg steht möglicherweise vor der Schließung. Hintergrund sind Stellenkürzungen im Zusammenhang mit der Bezirksfusion. Mit der Einstellung des Betriebs würden viereinhalb Stellen wegfallen. Aber gleichzeitig hätten 3000 Nutzer keine Möglichkeit mehr, Noten, Musikbücher und CDs kostenlos aus dem gut sortierten Bestand in der Platanenallee auszuleihen. Viele Musikstudenten, Lehrer und Professoren kommen hierher, um ihr tägliches Arbeitsmaterial zu holen. Gerade Klavierauszüge und Partituren sind für viele unerschwinglich, andere Noten sind in ihrer begrenzten Auflage gar nicht mehr käuflich zu erwerben. Ausweichmöglichkeiten für die Nutzer gibt es kaum. Die nächste öffentliche Musikbücherei liegt in Steglitz - die zweite von drei Musikbibliotheken in den Westbezirken. Im Osten der Stadt gibt es drei im Aufbau begriffene "Minibibliotheken".

"Wir betreiben musikalische Grundversorgung", sagt Ulrike Frandsen, Sprecherin des Arbeitskreises Öffentliche Musikbibliotheken, "es ist absolut keine elitäre Einrichtung. Hätten wir noch mehr Möglichkeiten, würden wir noch mehr verleihen, der Bedarf ist enorm." So wurden 1998 mehr als 95 600 Ausleihen in Charlottenburg registriert - was unmöglich von den anderen Büchereien aufgefangen werden könne.

Inzwischen hat die Musikschule Charlottenburg zur Unterschriftensammlung aufgerufen, und der Arbeitskreis Öffentliche Musikbibliotheken hat ein Protestschreiben an die Bürgermeister beider Bezirke geschickt. "Wir wollen schon im Anfangsstadium aktiv werden, bevor der Beschluss endgültig ist", so Frandsen. Auch der Deutsche Musikrat setzt sich für die Bibliothek ein.

Charlottenburgs Bürgermeisterin Monika Wissel (SPD) hält die Alarmrufe für verfrüht. Noch warte sie auf die genauen Einsparungspläne des Senats. Im Prinzip wolle sie - selbst ursprünglich Bibliothekarin - alles erhalten, aber "wir müssen uns Gedanken über Umstrukturierungen machen". Denkbar sei, dass sich die Senatskulturverwaltung an den Kosten beteiligt, "schließlich versorgen wir ja umliegende Bezirke und Musikschulen mit."

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