Musikerin Naima Husseini : Künstlerin für konträre Klänge

Musikerin Naima Husseini feiert die Gegensätze – und ihr neues Album am Sonntag in Neukölln.

Yasmin Polat
Pop-Artistin. Naima Husseini macht Musik, die vielschichtig und sphärisch klingt, ohne abgehoben zu wirken.
Pop-Artistin. Naima Husseini macht Musik, die vielschichtig und sphärisch klingt, ohne abgehoben zu wirken.Foto: Sven Darmer/Davids

„Je ne regrette rien" hinterlässt der Stempel des Klunkerkranichs auf ihrem Handgelenk. Es ist voll auf dem Dachgarten der Neuköllner Arkaden, trotz Wind und Wolken. Naima Husseini kommt in einem luftigen, hellblauen Hemd angehetzt – seit Kurzem ist die 35-Jährige Mutter eines kleinen Sohnes – sie wirkt dennoch konzentriert: „Frag mich gerne alles, ich bin entspannt“, sagt Husseini und blickt über die Berliner Dächerlandschaft. Im Klunkerkranich findet an diesem Sonntag das Release-Konzert zu ihrem neuen Album „Immer Alles“ statt.

„Mein größtes Talent ist, glaube ich, nicht den Vermarktungsschritt zu gehen. Ich begreife gerade, wie wichtig das ist.“ Husseini war schon mal kurz davor, richtig groß rauszukommen: 2009 hatte sie die Möglichkeit, mit der Popgruppe „Silvester“ vom Label-Riesen Universal Music vermarktet zu werden. Die Sängerin stieg aber kurz nach Erscheinen der ersten Single aus: „Mir war es immer wichtig, gerade im künstlerischen Bereich etwas Authentisches zu machen.“

2011 kam ihr Solo-Debüt-Album „Naima Husseini“ auf den Markt. Heute, fünf Jahre später, ist „Immer Alles“ da. Ob sie sich in der Musikszene genügend wahrgenommen fühle? „Natürlich nicht!“, sagt die Neuköllnerin und lacht. „Dabei geht es nicht so sehr um mich als Person. Ich bin ja im Auftrag der Musik unterwegs. Und da finde ich schon, dass eine größere Öffentlichkeit angemessen wäre“, sagt die Komponistin lächelnd.

In Berlin fand sie ihre Traumband

Die gebürtige Hamburgerin lebt seit sechs Jahren in Berlin: „Hamburg ist zwar eine tolle Stadt, aber irgendwann will man etwas Neues entdecken“, sagt Husseini. Und in Berlin habe sie ihre „Traum-Band“ gefunden, mit der Keyboarderin Irma Samuelis und Fabian Stevens am Schlagzeug. „Der Sound ist nicht so zugekleistert, man hat Platz für ganz tolle, spezielle Sachen“, sagt sie. Eine spezielle Sache sind beispielsweise die Musikerinnen Luisa Babarro und Phela, die die sonst dreiköpfige Band beim Release-Konzert als Streicherinnen bereichern. Die 13 Songs der neuen Platte sind vielschichtiger, sphärischer Pop und dennoch eingängig. „Ich finde, das kriegen wenige hin: Guten Pop, der auch mainstreamig ist“, sagt die Multi-Instrumentalistin. „The XX vielleicht. Die hatten einen großen kommerziellen Erfolg, obwohl sie nicht anbiedernd sind. Das ist mir wichtig.“

Dass Husseini mal Künstlerin werden würde, war schon früh klar, ihre Eltern sind beide Musiker. Ihr Großvater, türkischer Albaner, war im Krieg nach Hamburg geflohen. Direkt nach dem Abitur studierte Husseini Freie Kunst in Hamburg: „Ich wollte schon mit 15 an die Kunsthochschule. Ich fand das Künstlerideal so toll.“

Ihre erste Single-Auskopplung „Sterne“ gibt es neben der komplexen melancholischeren Album-Version auch als Radio-Edit: „Man überlegt sich, was für Gewürze man streut, dass es viele Leute hören“, sagt Husseini. „Beispielsweise ein einfacherer Rhythmus, der trotzdem echt gespielt ist.“ Seit sechs Monaten ist Husseini bei dem Hamburger Label „Chateau Lala“ unter Vertrag. „Ich denke, dass ein Major Label erst dann gut tut, wenn man schon klar kommunizieren kann, was man machen will und wer man ist.“ Dennoch würde sie die damalige Platte nicht als schlecht bezeichnen. Husseini bereut nichts. Passend zum Stempelaufdruck auf ihrer Hand.

Das Release-Konzertprogramm beginnt an diesem Sonntag um 16 Uhr im Klunkerkranich, Karl-Marx-Straße 66. Husseini spielt um 19.30 Uhr, im Anschluss wird das Deutschland-Spiel gezeigt. Eintritt: 3 Euro

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