Berlin : Musikmanager Peter Mucha

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Sigfried der Drachentöter, Peter Stuyvesant, Konrad Duden und Joseph Beuys sind so wie er dort geboren, in Wesel am Niederrhein. „Unglaublich viele bedeutende Leute.“ Ob er auch mal so einer wird, weiß er nicht. Aber Peter Mucha ist auf dem Weg. Groß ist er schon (1,95 Meter). Und gewinnend locker, ein schmaler Kopf, ein gestreiftes, offenes Hemd.

Aus seinem Büro im Universal Haus könnte man auf die Spree schauen – wenn die Fenster sauber wären. Das aber sind sie nicht, ein Streit mit der Hausverwaltung. Nur eins, mit einem Plakat als „BeispielFenster“ markiert, hat er handgereinigt, als Mahnung an die Verwalter.

Aufgewachsen ist er in einem bürgerlichen Haus, seine Mutter war Lehrerin, sein Vater Verwaltungsbeamter. Als er zehn war, ist der Vater tragisch ums Leben gekommen, „durch Fremdeinwirkung“. Früh war er deshalb eine Art Vaterersatz. Er lebte mit seiner Mutter, der Schwester und der Großmutter unter einem Dach. Kein Wunder, dass er immer irgendwie im Mittelpunkt stand. Aber von seinen Lehrern fühlte er sich kräftig überschätzt. „Chefverdacht“ nennt er das.

Dass man für Führungsrollen auch arbeiten muss, hat er erst begriffen, als er in den ersten Semestern seines Wirtschaftsstudiums durch alle Prüfungen fiel. Von da an hat er „kaum mehr etwas dem Zufall überlassen“. Nach seinem Abschluss 1991 wollte er unbedingt zu Adidas. Daraus wurden 12 Jahre bei den Herzogenaurachern. Zunächst „Außendienst in Norddeutschland“, das hieß enge Kontakte mit Uwe Seeler, Wolfgang Overrath oder Bernd Gernsdorf. Dann folgte der Ruf in die Adidas-Zentrale, die Geschäftsführung in Klagenfurt und für Adidas International in Amsterdam.

Vor zwei Jahren wurde es für ihn „Zeit, etwas anderes zu machen“. Beim neuen Job spürte er, dass „da Musik drin ist“. Mit seinen Erfahrungen aus der wettbewerbsintensiven Sportartikelbranche sollte er nun einem Unternehmen helfen, das mit einer Halbierung des Umsatzes einen „brutalen Einbruch“ erlitten hatte. Doch jetzt ist die Talsohle erreicht, Umsatz und Marktanteile steigen wieder.

„Musik hat immer noch einen hohen kulturellen Stellenwert“, stellt der Vertriebsmanager fest. Die Tonträger bieten Mehrwert, nicht nur für Sammler. Berlin, das sei ein sehr guter Medienstandort – auf dem Weg zur Medienhauptstadt, besonders attraktiv für junge Leute. Wer hier allerdings auf bayerische Genauigkeit Wert lege, sollte nicht nach Berlin kommen. „Perfekt“ müsse man aus dem Berliner Vokabular streichen. Vielleicht auch deshalb sind seine französische Frau und die beiden Töchter zunächst in Adelsdorf im „heilen Franken“ geblieben. Er fühle sich „erfahren im getrennten Leben“, sagt Mucha.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegel.

Peter Mucha (37) , geboren in Wesel, Diplom-Betriebswirt, ist seit Juli 2003 Managing Director der Universal Vertrieb GmbH in Berlin. Das Unternehmen gehört zu Vivendi Univers.

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