Berlin : Musiksommer: Esperanto nach Noten

Hella Kaiser

Am Montagabend konnte man die Menschen am Gendarmenmarkt in zwei Gruppen teilen: Die Glücklichen schritten auf blauem, mit gelben Sternen verzierten Teppich die Treppe zum Schauspielhaus hinauf, die anderen standen unten und hielten selbstgemalte Schilder vor der Brust: Karte gesucht! Das Jeunesse Musicales Weltorchester war gekommen, und alle wollten eben hören, wie die Musiker zum Beispiel die Sinfonie Nr. 2 von Rachmaninow präsentierten. "Musik ist das Weltesperanto", sagte der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen zur Begrüßung und Sabine Christiansen, Patin des bis zum 27. August dauernden young.euro.classic-Festival, zollte Berlin gleich ein Lob dazu. Angesichts der vielen anwesenden Politiker in der parlamentarischen Sommerpause zeige sich, dass "man hier gerne lebt".

Gekommen waren viele: Justizministerin Herta Däubler-Gmelin, Wirtschaftssenator Wolfagng Branoner, der brandenburgische Innenminister Jörg Schönbohm, Wolfgang Vogel vom Wirtschaftsministerium und Rolf Schwanitz vom Bundeskanzleramt. Die jungen Musiker aus Argentinien, Brasilien, Dänemark, Estland, Griechenland, Tschechien, Mazedonien und vielen anderen Ländern durften das Gefühl bekommen, dass das Publikum dieser Stadt Musik nicht nur liebt, sondern ihr auch gebührenden Respekt entgegenbringt. Selbst an den leisen Stellen von Arvo Pärts "Concerto piccolo über B-A-C-H" war kein Hüsteln zu vernehmen. Verzückt lauschte das Publikum der vom strahlend lächelnden Dirigenten Yakov Kreizberg spendierten Zugabe und schlenderte anschließend, bestens gelaunt, zum Empfang in die Bayerische Vertretung. Den Weg in die benachbarte Behrenstraße wiesen die BMW-C1-Gefährte, ein Modell irgendwo zwischen Motorroller und Kleinwagen. Natürlich hat auch Joachim Milberg, Vorsitzender des Vorstands von BMW und Partner des Musik Sommer Berlin 2000, so ein Ding schon gefahren. Aber mit etwas mehr Enthuasiasmus erzählte er von dem Cruiser, den er vor anderthalb Jahren in Arizona fahren konnte. In München sei er viel im Auto unterwegs und höre dabei "Klassisches".

Bei Musik müsse man zuhören und dürfe sich nicht einfach berieseln lassen, bekräftigte Hanna-Renate Laurien. Alles Erziehungssache. Deshalb habe sie in ihrer Zeit als Berliner Schulsenatorin immer auf zwei Stunden Musikunterricht pro Woche bestanden. Und wenn jemand ganz und gar unmusikalisch ist? "Das macht doch nichts", sagte sie und führte Bernhard Vogel als leuchtendes Beispiel an. "Der trifft beim Deutschlandlied nicht einen Ton und singt trotzdem mit Wonne", so Frau Laurien.

Jene jungen Musiker, die beim Konzert die Noten so wunderbar zum Klingen gebracht hatten, standen beim Empfang ein wenig schüchtern zusammen. Im Juli hatten sie, so erzählte der 22-jährige philippinische Violonist Caesar Justin Texon, in Bosnien gespielt - in kriegsbeschädigten Gebäuden oder in Kirchen. Dirigent Yakov Kreizberg hatte sie vor Berlin gewarnt: "Vielleicht ist das Konzerthaus eine Nummer zu groß für Euch." Die jungen Musiker aber machten andere Erfahrungen: "Wir haben es schon gespürt, dass den Zuhörern die Musik gefallen hat."

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