Berlin : Muskelaufbau

Das künstliche Kniegelenk ist ein Segen – doch das spüren die meisten Patienten erst nach Physiotherapie, Kälte und elektrischer Stimulation

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Dreimal die Woche macht Kniepatientin Edeltraud Rivera jetzt Rehasport. Foto: Rückeis
Dreimal die Woche macht Kniepatientin Edeltraud Rivera jetzt Rehasport. Foto: Rückeis

Das Berufsleben von Edeltraut Rivera war für ihre Knie eine echte Belastungsprobe: Die 60-Jährige arbeitete 39 Jahre lang als Krankenschwester. Auf Chirurgie-, Schlaganfall- und Reha-Stationen wurde sie eingesetzt, auch in Pflegeheimen und im Schichtdienst. „Das ist hart“, sagt Rivera. „Aber es war immer mein Traumberuf, ich wollte immer schon helfen.“ Doch durch das Stützen und Heben kranker Menschen wurde sie selbst krank. „Ich wollte es nie wahrhaben und habe mich trotz immer stärkerer Schmerzen in den Knien zur Arbeit gequält.“

Vor etwas mehr als einem Jahr wurden die Beschwerden in ihrem linken Knie so stark, dass ein künstliches Gelenk eingesetzt werden musste – im Immanuel-Krankenhaus am Kleinen Wannsee. „Das Knie war dick und tat furchtbar weh“, erinnert sich Rivera.

Nur wenige Tage nach der Operation im November 2010 ging es in die Fontana Rehabilitationsklinik in Bad Liebenwerda, wo sie zuvor schon wegen ihres Rheumas in Behandlung war. Dort hatte sie sich so wohlgefühlt, dass sie die Einrichtung nun auch wieder für ihre stationäre Knie-Reha auswählte. Mit der Vollprothese wurden Innen- und Außenfläche des Gelenks ersetzt, das altersbedingt abgenutzt war. „Die Patienten haben oft eine lange Leidensgeschichte hinter sich“, sagt der Orthopädie-Chefarzt der Fontana-Klinik, Jens Fleißner. „Durch die Schonung des Gelenks wegen der Schmerzen ist die Oberschenkelmuskulatur geschwächt und bei der Operation werden Rezeptoren zur Steuerung der Oberschenkelstrecker in Mitleidenschaft gezogen.“ Deshalb ist Muskelaufbau ein zentraler Teil der Reha, neben der Verbesserung der Beweglichkeit. Doch diese wird auch nach der Reha ihre Grenzen haben: In die Hocke gehen ist nicht mehr möglich. Dafür kann das Knie aber je nach Prothese 110 bis 120 Grad gebeugt werden, Fahrradfahren sollte also kein Problem sein.

Direkt nach der Operation beginnen bereits die ersten Übungen: In den ersten Tagen im Krankenhaus kommt eine Motorschiene zum Einsatz, die das Bein passiv, also ohne die Muskelkraft des Patienten, beugt und streckt. Dasselbe passiert dann auch aktiv, mithilfe von Physiotherapeuten. Sobald man wieder laufen kann, geht es in die Reha. Dort wird vor allem die Oberschenkelmuskulatur behandelt, denn die ist für die Bewegung des Kniegelenks verantwortlich. Gegen die Schwellung wird mit Kälte gearbeitet: Per Eisbeutel oder Kryotherapie, also kalter Luft, wird das Knie gekühlt. Wenn die Oberschenkelmuskulatur verspannt ist, werden feucht-warme Handtücher über den Oberschenkel gerollt und zum Muskelaufbau gibt es elektrische Muskelstimulation oder Physio- und Ergotherapie. Je nach Fitness des Patienten kann das durchaus anstrengend sein.

Edeltraud Rivera hatte nicht nur mit ihrem frisch operierten und schmerzenden Gelenk zu kämpfen. Zusätzlich plagte sie auch Rheuma. Ein jüngerer Mann in der Klinik, der zur gleichen Zeit operiert wurde, schaffte es schneller wieder auf die Beine. „Da habe ich an mir selbst gezweifelt“, sagt Rivera. Doch rückblickend sei sie froh, wie gut alles verlaufen sei: „Auch wenn man ein bisschen Schmerzen hat, muss man weitermachen.“ So lange bis man wieder Treppen steigen kann – das ist Voraussetzung zur Entlassung aus der Reha.

Mit dem Rheuma und dem künstlichen Kniegelenk kann Edeltraud Rivera nicht mehr als Krankenschwester arbeiten. Zu jung für die Rente, musste sich Rivera arbeitslos melden. Nach der Reha nahm sie am IRENA-Programm teil, einem Anschluss-Reha-Programm, das von der Rentenversicherung angeboten wird. Jetzt geht sie dreimal pro Woche zum Reha-Sport und möchte bald wieder mehr schwimmen und Fahrrad fahren – ein neues Mini-Bike wird ihr zumindest anstrengendes Geschleppe ersparen – und ihr Knie schonen.Lisa Geiger

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