Berlin : Muskelspiele

Hunderte Fitness-Studios liegen in Berlin im Konkurrenzkampf. Davon können die Kunden profitieren

Constance Frey

Es ist mehr als ein subjektiver Eindruck: In Berlin gibt es an jeder Ecke ein Fitnessstudio. 226 Studios von über 200 Quadratmeter Nutzfläche gibt es laut einer Branchenstudie der Beratungsgesellschaft Deloitte & Touche in Berlin, Experten schätzen die Gesamtzahl der Häuser in Berlin plus Speckgürtel auf knapp 400. Vor allem die Fitness-Ketten hat es in den letzten Jahren nach Berlin gezogen. Seit 2001 hat Elixia in Berlin fünf Filialen eröffnet, Meridian Spa plant eine weitere Niederlassung für 2005, die Fitness Company zählt kommenden Februar ihre 15. Berliner Niederlassung. Laut Deloitte & Touche gehört fast jedes dritte Studio einem größeren Unternehmen an. Das ist die höchste Konzentration von Fitness-Ketten in Deutschland.

Weil der Markt seit zwei Jahren stagniert, ist in der Branche ein erbitterter Verdrängungswettbewerb ausgebrochen. Die Studios werben mit längeren Probetrainings, Sonderkonditionen für den Partner und erlassen mehrere Monatsbeiträge, wenn man etwa für zwei Jahre bei ihnen unterzeichnet. „Alle haben Probleme, ihre Preise durchzusetzen“, sagt Rolf Krempel, Geschäftsstellenleiter des Verbands deutscher Fitness- und Freizeitunternehmen (VDF).

Für Kunden ist das eher positiv. Sie haben eine große Auswahl, die monatlichen Preise sind mitunter verhandelbar. Angebote zum Schnuppern sollte man auf jeden Fall wahrnehmen, raten nicht nur die Verbände. „Einen persönlichen Eindruck des Clubs zu bekommen ist sehr wichtig“, sagt Elixia-Sprecherin Leonore Schröder.

Während die großen Ketten dazu übergehen, ihre Studios besser auszulasten, anstatt neue Filialen zu eröffnen, zwingt der Preiskampf vor allem einzeln betriebene Studios der mittleren Preisklasse in die Knie. Allein für das laufende Jahr verzeichnet das Berliner Beratungsbüro Wieland Consulting bis jetzt 50 Insolvenzen und rund 35 Inhaberwechsel wegen Zahlungsunfähigkeit. 17 Prozent der Berliner Studios melden Insolvenz an, bundesweit liegen die Insolvenzen im Fitnessbereich zwischen 1 und 2 Prozent. Dennoch glaubt Fabio Mathias von Deloitte & Touche nicht an eine ausweglose Situation für kleine Studios. „Wenn sie gut geführt sind, können Einzelstudios profitabel sein.“ Vor allem spezialisierte Studios können sich behaupten.

„Die Studios jagen sich gegenseitig die Kunden ab“, bestätigt Ingrid Schadrowski. Sie betreibt seit 1989 das Frauenstudio Donna Mobile in Schöneberg. „Wir sitzen in einer Nische“, sagt sie. Bei Donna Mobile wird nur Gesundheitssport betrieben, den Krankenkassen zur Prävention und bei Reha-Behandlungen empfehlen. Allgemein sei es der Branche noch nicht gelungen, neue Kundengruppen zu werben, sagt die Inhaberin. Für sie hat der Gesundheitssport Zukunft. „In Deutschland lohnt es sich finanziell noch nicht, gesund zu sein.“ Das werde sich aber ändern. Ihre Antwort auf den Wettbewerb ist Qualitätssicherung. Mit elf anderen Studios hat sie vor sechs Monaten den Verband der Berliner Gesundheitssportstudios gegründet. Der Verband versucht jetzt, eine Zertifizierung von Studios durchzusetzen.

Auch Andreas Sparmann im Sportstudio Nippon in Zehlendorf hält seinen Kundenstamm von etwa 1000 Mitgliedern seit einigen Jahren konstant. „Wir grenzen uns über bessere Betreuung ab“, sagt er, „die Großen drücken sich gegenseitig weg“. So sieht das auch Rolf Krempel vom VDF. Er rechnet damit, dass sich in einigen Jahren eine Fitness-Kette gegen alle anderen durchsetzt.

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