Berlin : Muslime wollen vor dänischer Botschaft demonstrieren

500 Teilnehmer sind derzeit angemeldet. Die Abriegelungen wurden bereits aufgestellt

Jörn Hasselmann

Nun wollen Muslime auch in Berlin gegen Dänemark demonstrieren. Am Dienstag meldete ein in Berlin lebender Araber für den kommenden Sonnabend eine Demo vor der dänischen Botschaft in Tiergarten an. Unter dem Motto „Kritik an Karikaturen der dänischen Zeitung (Prophetenabbildung)“ will der Mann zwischen 13 und 15 Uhr in der Rauchstraße protestieren. Bereits gestern Vormittag begann die Polizei, in großen Mengen Absperrgitter aufzustellen, teilweise auf den Mittelstreifen der angrenzenden Straßen. Der Verkehr floss gestern noch ungehindert. Der gesamte Block der Nordischen Botschaften zwischen Stülerstraße, Hofjägerallee und Rauchstraße wird am Sonnabend inklusive der Straßen abgeriegelt. Die Kundgebung darf nur auf der Stülerstraße Höhe Corneliusbrücke stattfinden. Die Gitter seien bereits gestern aufgestellt worden, weil gerade Personal frei war, hieß es.

Sofort nach der persönlichen Anmeldung der Demo bei der Polizei gab das Landeskriminalamt diese Nachricht an die Botschaft weiter. Rechtliche Möglichkeiten, die Kundgebung zu verbieten, gibt es nicht, hieß es. Bei Polizei und Verfassungsschutz ist der Anmelder „völlig unbekannt“, dies erschwere die Einschätzung der Gefährdung und möglicher Hintermänner. Zunächst hatte der Araber 200 Teilnehmer angekündigt, dies dann auf 500 korrigiert.

Bislang hatten die Behörden auf einen dauerhaften Schutz der Botschaft verzichtet. Nach dem Aufflammen der weltweiten Proteste wird die Botschaft seit einigen Tagen jedoch häufiger von Polizeiautos angesteuert. Wie es gestern hieß, gebe es keine konkreten Hinweise auf eine Gefährdung. Beim letzten Freitagsgebet in den Berliner Moscheen hätten die Imame „tendenziell beschwichtigt“ hieß es beim Verfassungsschutz – „so weit wir das mitbekommen haben“. Nach den Terroranschlägen von London war für einige Tage ein Mannschaftswagen der Polizei in der Rauchstraße stationiert worden, weil Dänemark in einem Bekennerschreiben als nächstes Ziel genannt worden war.

Der Presseattaché Dänemarks, Henry Werner, betonte gestern, dass die Botschaft weiterhin für Besucher geöffnet sei. Bis auf einige Anrufe und Briefe habe es bislang keinen Ärger gegeben.

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