Muslimisches Fastenbrechen : Festmahl für den Bundespräsidenten

Bundespräsident Christian Wulff hat am Montag am traditionellen Fastenbrechen in der Moschee am Kottbusser Tor teilgenommen. Im bosnischen Kulturzentrum freute man sich über den Besuch - und über die Geste, die damit einhergeht.

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Guten Appetit. Bundespräsident Christian Wulff zu Gast beim Fastenbrechen.
Guten Appetit. Bundespräsident Christian Wulff zu Gast beim Fastenbrechen.Foto: dpa

Die Tische waren festlich eingedeckt, der Fußboden war blank gewienert. Und auf einem Flachbildschirm las man den Schriftzug: „Herzlich Willkommen, Herr Bundespräsident!“ Für die Muslime des bosnischen Kulturzentrums in der Kreuzberger Adalbertstraße war gestern ein großer Tag. „Ich bekomme Gänsehaut, wenn ich daran denke, dass der Bundespräsident heute Abend zu uns kommen soll, als Ehrengast zu unserem Fastenbrechen", sagt Damir Krdzic. Und dabei ging es dem Bosnier nicht um irgendeine Rede. „Der Besuch ist ein Signal, dass wir als ebenbürtig wahrgenommen werden.“

Kurze Zeit später war es dann soweit. Mit festem Schritt betrat Christian Wulff die Moschee am Kottbusser Tor. „Mir geht es um die authentische, persönliche Erfahrung miteinander“, sagte Wulff. So wie schon in seiner Zeit als Ministerpräsident von Niedersachsen war er zum Fastenbrechen gekommen, um den direkten Kontakt zu den Muslimen zu suchen. „Je mehr wir voneinander wissen, desto weniger Vorurteilen erliegen wir“, sagte Wulff. Und er würdigte das Engagement der Kreuzberger Muslime in der Jugendarbeit: Jede Woche besuchen mehrere hundert Jugendliche die Sprachkurse, den Islamunterricht und die Kulturangebote der kleinen Gemeinde.

„Die Integration, das Erlernen der deutschen Sprache, die Mehrsprachigkeit sollte unser Land als Chance begreifen“, sagte Wulff. In Deutschland, auf dem Balkan und in der ganzen Welt brauche es einen friedvollen Umgang der Religionen untereinander. Schon deswegen sei das Kulturzentrum, dem er eine wachsende Gemeinde wünschte, „ein positives Stück Berlin“. Dann kam der Moment, auf den nicht nur die hungrigen Muslime den ganzen Tag gewartet haben. Es wurde 20.22 Uhr, die Zeit des Sonnenuntergangs. Kronkorken flogen durch den Raum, Gläser wurden eingeschenkt, ein Ruf des Muezzins gab das Signal: Herzhaft biss der Bundespräsident in eine Dattel, die traditionelle erste Speise eines Iftarmahls. bel

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