Berlin : Mut zum Risiko

ZweiTagenach der Wahl: WieFamilienunternehmer dem Wirtschaftsminister Clement begegnen

Elisabeth Binder

Die Menschenansammlung im Schlüterhof im Deutschen Historischen Museum wirkt wie eine lebendige Ausstellung großer deutscher Marken-Namen. Zwei Tage nach der Wahl haben sich hier Angehörige und Repräsentanten von 43 bekannten Familienunternehmen versammelt, darunter Alexandra Oetker, Günther Fielmann, Klaus J. Jacobs, Gabriele Henkel, Gloria von Thurn und Taxis. Dass viele der hier Anwesenden glücklich mit einer schwarz-gelben Mehrheit wären, steht wohl außer Frage. Die Verwirrung, die Irritation, die das Wahlergebnis überall im Land ausgelöst hat, wird hier allerdings kaum spürbar.

Die Kameras stürzen sich auf Wirtschaftsminister Wolfgang Clement. Dabei ist er nur zweite Wahl beim 25sten Geburtstag des Wirtschaftsmagazins Impulse. Eigentlich wollte Bundeskanzler Schröder vor den Unternehmern sprechen, die, wie einer der Redner vermerkt, immerhin 52 000 neue Stellen geschaffen haben in den letzten fünf Jahren. Aber „in der gegenwärtigen etwas spannenderen Zeit kann der Bundeskanzler nicht bei Ihnen sein“, formuliert Wolfgang Clement vorsichtig. Er glaube nicht, dass die Politiker geneigt seien, sich nun ein neues Volk zu wählen. Aber es sei nun mal schwer, den Willen des Volkes in Handeln umzusetzen. Vor den Zupackern der Nation fordert er „Nachdenklichkeit auf das, was vielleicht nicht richtig gelaufen ist in allen Bereichen“ ein. Die Unternehmer nehmen ihn freundlich auf, lassen sich Enttäuschung nicht anmerken. Die Dienstleistungsunternehmer Peter Dussmann und Hartwig Piepenbrock vermitteln den Eindruck, dass man Enttäuschung in positives Denken ummünzen muss.

Während viele Menschen Angst vor Einschränkungen haben, will man sich in diesem Kreis vor allem nicht aufhalten lassen. „Hauptsache keine Stagnation“, ist eine Grundstimmung. Susanne Birkenstock ist froh, dass sie das „Theater am Wahlabend“ in ihrem Büro verpasst hat. Ihre größte Sorge: „Ein Stillstand muss auf jeden Fall verhindert werden.“ Export-Erfolge kommen in Wolfgang Clements Rede häufiger vor. Aber auch über die weiter notwendigen Reformen spricht er. Nichts sei wichtiger, als neue Unternehmer ins Land zu bringen, sagt er und bedauert „die Zurückhaltung junger Leute gegenüber dem Risiko“.

In den Gesprächen am Rande bekommt man eher den Eindruck, als sähen die Unternehmer Reformbedarf vor allem bei der Wählerpsyche. Verzagtheit und Unentschlossenheit sind schließlich der Feind unternehmerischen Denkens und Erfolges, gerade dafür aber steht in manchen Augen das Ergebnis vom letzten Sonntag. Der Vorstandsvorsitzende von Gruner und Jahr, Bernd Kundrun, sieht die Situation geradezu dramatisch: „Das Volk ist verängstigt, die Menschen sind zutiefst verunsichert, sie fühlen sich ausgeliefert. Dafür ist das Wahlergebnis ein Zeichen.“ Man ist sich einig, dass die Probleme, die in dem Ergebnis sichtbar werden, von Politikern allein auf keinen Fall gelöst werden können. Was den notwendigen Stimmungsaufschwung betrifft, sehen sich die Unternehmer selber auch in der Pflicht. Immer wieder kommt die Sprache auf zu große Ängstlichkeit im Land. Der Beifall für Clements zwanzigminütige Rede bleibt zurückhaltend. Für Liz Mohn ist der Wahlausgang ein Zeichen dafür, dass es zu wenig Orientierung, zu wenig Werte gibt. „Da müssen wir Vorbilder dagegen setzen.“ Insofern sieht sie das Wahlergebnis auch als Herausforderung; „Wir müssen den Menschen wieder Perspektiven aufzeigen und verdeutlichen, dass wir mit Leistungsbereitschaft und Innovation etwas bewegen können."

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