• Mut zur Offenheit Für den Berliner Pflegeheimvergleich legen rund 230 Häuser erstmals auch sensible Daten offen – freiwillig. Das Ziel:

Berlin : Mut zur Offenheit Für den Berliner Pflegeheimvergleich legen rund 230 Häuser erstmals auch sensible Daten offen – freiwillig. Das Ziel:

mehr Transparenz und weniger Angst

Ingo Bach

Der Adlershofer Ingenieur hat weitere Pläne. Bei Erfolg will er sein Konzept deutschlandweit etablieren.Es waren zwei positive Überraschungen. Die erste: Über 230 der rund 290 Pflegeheime in der Stadt waren bereit, sich am Großen Berliner Pflegeheimvergleich des Tagesspiegel zu beteiligen – und dafür durchaus auch sensible Daten offenzulegen. 70 von 90 Einrichtungen, die seit 2005 einen Kontrollbesuch von den Pflegekassen hatten, ermöglichen Interessierten freiwillig die Einsichtnahme in die Prüfberichte. Das war die zweite Überraschung, denn diese Berichte waren bisher quasi geheim: nur die Pflegekassen als Auftraggeber, der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) als Prüfinstanz und die betroffenen Heime kannten die Ergebnisse.

Das soll sich nun in Berlin ändern: Zum einen machen die Pflegeeinrichtungen in den tabellarischen Übersichten der Serie die Prüfergebnisse für drei Teilbereiche öffentlich (siehe unten stehende Tabellenerklärung). Zum anderen geben sie an, dass sie die kompletten Berichte zur Einsichtnahme für Interessenten, also auch für potenzielle Bewohner, offenlegen. Damit beweisen sie einen Mut zur Transparenz, der bisher bundesweit einmalig ist. Die Pflegeeinrichtungen der Stadt können sich deshalb durchaus als bundesweite Trendsetter fühlen. Denn nach der Veröffentlichung des jüngsten bundesweiten MDK-Berichtes, der erhebliche Mängel in den deutschen Pflegeheimen offenbarte, fordern Politiker, man müsse die Heime gesetzlich zur Preisgabe der MDK-Berichte zwingen.

In Berlin geschieht dies nunmehr freiwillig im Rahmen des Pflegeheimvergleichs und der Transparenzoffensive der Senatssozialverwaltung, mit der wir kooperieren. Sie tun das, obwohl die Ergebnisse nicht immer schmeichelhaft für sie sind. Im Zweifel ist eine Pflegeeinrichtung, die ehrlich auch negative Kontrollergebnisse offenbart, eine, in der Qualität großgeschrieben wird. Bitte beachten Sie deshalb auch die Anmerkungen, mit der einige Einrichtungen ihre Angaben in der jeweiligen Folge des Pflegeheimvergleichs kommentieren – und dabei auch Details zu den Kontrollen darstellen.

Dass einige Pflegeheime Angst vor der eigenen Courage bekamen, liegt wohl in der Natur der Sache. Insgesamt zehn Einrichtungen zogen die Bereitschaft, ihren MDK-Bericht offenzulegen, wieder zurück, als der Tagesspiegel die Angaben stichprobenartig prüfte.

Ab dem kommenden Sonnabend werden wir in zwölf Folgen die Berliner Pflegeeinrichtungen bezirksweise vorstellen, verbunden mit Reportagen aus dem Heimalltag, Interviews mit Experten und viel Service für die tausenden Menschen, die jährlich in Berlin für sich selbst oder einen Angehörigen einen Pflegeheimplatz suchen. Wir stützen uns dabei zum einen auf die Angaben der Pflegeheime, die wir in einer aufwendigen Umfrage erhoben haben, und auf die Angaben, die derzeit von der Senatssozialverwaltung für die freiwilligen Qualitätsberichte der Heime gesammelt werden. Darüber hinaus werden wir die stichprobenartigen Kontrollen der Prüfberichte fortsetzen.

Mit diesen Angaben, die in der unten stehenden Tabelle ausführlich erläutert werden, bietet der Tagesspiegel einen Überblick über die Pflegeeinrichtungen der Stadt, wie es ihn bisher noch nicht gab. Natürlich dient dies nur einer ersten Orientierung. Weitergehende Informationen, zum Beispiel durch die Inanspruchnahme der zahlreichen Beratungsangebote in Berlin, und der Blick in die freiwilligen Qualitätsberichte sind unverzichtbar – ebenso wie der persönliche Besuch in dem Heim der engeren Wahl.

Am Sonnabend starten wir mit den Heimen in Spandau. Die nächsten Folgen erscheinen montags, mittwochs, samstags.

Der große

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