Berlin : Mutig, weiblich, preisgekrönt Quadriga-PreisfürFrauen, diegegendieIRAkämpfen

Sebastian Leber

Ein bisschen stolz ist Catherine McCartney schon, dass sie morgen Abend zusammen mit Berühmtheiten wie Helmut Kohl und dem Aga Khan auf der Bühne der Komischen Oper steht: „Das zeigt uns, dass wir für die richtige Sache streiten.“ Zum dritten Mal vergibt der Verein Werkstatt Deutschland am Montag seinen Preis „Quadriga“. Einer davon geht an die Nordirin Catherine McCartney und ihre fünf Mitstreiterinnen für ihren Kampf gegen die katholische Terrorgruppe IRA. Die sechs Frauen im Alter zwischen 28 und 41 Jahren sind am Sonnabendnachmittag auf dem Flughafen Schönefeld gelandet.

Ihr Fall erinnert ein wenig an David gegen Goliath: Vor acht Monaten wurde Catherines Bruder Robert McCartney nach einem Kneipenstreit in Belfast von IRA-Mitgliedern ermordet. Und obwohl Roberts Schwestern und seine Freundin selbst dem katholischen Glauben angehören, hielten sie sich nicht an den üblichen Schweigekodex und forderten öffentlich, die Täter vor Gericht zu stellen. „Sechs ganz normale Frauen ohne Mittel und ohne Lobby, gegen eine der mächtigsten Organisationen des Landes“, sagt Catherine McCartney auf dem Weg vom Flughafen ins Hotel. Vielleicht sei es gerade dieses Ungleichgewicht, das ihnen so viele Sympathien auf der ganzen Welt eingebracht habe. In Deutschland, in Amerika und auch in Irland selbst. Nur die Anhänger der IRA zeigten bislang keine Einsicht, und leider würden sie auch durch eine Auszeichnung wie die Quadriga „nicht anfangen nachzudenken“, fürchtet McCartney. Seit Monaten werden die Schwestern in ihrer Nachbarschaft beschimpft und bedroht, viele alte Freunde wollen sie heute nicht mehr kennen. Bereut hätten sie ihre Aktion aber trotzdem „keine einzige Sekunde“, sagt Catherine. Bei der Preisverleihung in der Komischen Oper wollen sich die Schwestern für die weltweite Unterstützung bedanken. Und dann weiter öffentlich Druck machen. Zum Beispiel, indem sie mit Politikern sprechen, als Nächstes mit dem britischen Premierminister Tony Blair. „Erst wenn die IRA isoliert ist und keine Unterstützung mehr hat, wird sie vielleicht einlenken.“

Die Zukunft Nordirlands sieht Catherine weniger optimistisch. Den Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten in Nordirland werde es wohl ewig geben: „Das ist wie mit Rassismus, den wird man nicht los.“ Und an eine Wiedervereinigung des geteilten Irlands will sie schon gar nicht glauben - was in Deutschland vor 15 Jahren passiert sei, werde sich in ihrer Heimat bestimmt nicht wiederholen.

Zur Quadriga-Preisverleihung gibt es im heutigen Tagesspiegel eine Beilage.

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