• Mutmaßlicher Vergewaltiger in U-Haft: Verdächtiger schweigt nach Übergriff an Schule

Mutmaßlicher Vergewaltiger in U-Haft : Verdächtiger schweigt nach Übergriff an Schule

Nach der Vergewaltigung einer Achtjährigen an einer Weddinger Grundschule ist gegen den mutmaßlichen Täter am Sonnabend Haftbefehl erlassen worden. Der 30-Jährige wurde am Nachmittag in die Untersuchungshaft nach Moabit gebracht.

von
Der mutmaßliche Vergewaltiger soll ein ehemaliger Schüler der Humboldthain-Grundschule in Wedding gewesen sein.
Der mutmaßliche Vergewaltiger soll ein ehemaliger Schüler der Humboldthain-Grundschule in Wedding gewesen sein.Foto: dpa

Bei der Vernehmung soll Konstantinos M. weitgehend geschwiegen und den Übergriff nicht gestanden haben. Wie berichtet, war der Verdächtige am Freitagnachmittag von einem Spezialeinsatzkommando in seiner Weddinger Wohnung festgenommen worden. Er soll am 1. März eine Achtjährige in der Humboldthain-Grundschule in einer Toilette eingeschlossen und sexuell missbraucht haben. Dabei soll er das Mädchen mit einem Messer bedroht haben. Obwohl Lehrer sofort die Polizei alarmierten, konnte der Täter vor Eintreffen der Beamten aus der Schule flüchten.

Dem Vernehmen nach sollen Opfer und Lehrer ihn auf Fotos wiedererkannt haben. M. war von 1988 bis 1994 Schüler an dieser Grundschule. Die in der vergangenen Woche von der Polizei veröffentlichte Täterbeschreibung passt sehr gut auf den Tatverdächtigen: „Etwa 30 Jahre, kurze schwarze Haare, untersetzt“.

Den endgültigen Beweis für die Täterschaft soll nun ein Abgleich seiner DNA mit den am Tatort gefundenen Spuren bringen. Ein Ergebnis der Analyse soll in den kommenden Tagen vorliegen. In der DNA-Kartei des Bundeskriminalamtes war M. bislang nicht gespeichert. Dort waren Ende 2011 exakt 948 867 Datensätze gespeichert, von 747 000 Personen und 202 000 Tatorten.

M. war in Berlin vor vielen Jahren als Exhibitionist polizeilich aufgefallen. Unklar blieb am Sonnabend, ob diese Tat vor einem Kind oder vor einer Erwachsenen geschah und ob es dazu eine Verurteilung gab. Juristisch gilt Exhibitionismus vor Kindern als sexueller Missbrauch und wird schärfer bestraft. Im Polizeicomputer „Poliks“ werden alle Tatverdächtigen, aber auch Opfer gespeichert. Gelöscht werden die Daten bei Kindern nach zwei Jahren, bei Jugendlichen nach fünf Jahren und bei Erwachsenen nach zehn Jahren – aber nur, wenn keine neuen Straftaten dazukamen. Bei Menschen, die immer wieder durch Straftaten auffallen, werden also die ersten Einträge nicht gelöscht. Bei der Staatsanwaltschaft sind zwei Urteile gegen Konstantinos M. aktenkundig, eine Geldstrafe wegen Körperverletzung vor einigen Jahren und eine Geldstrafe wegen Betruges in diesem Jahr. Weitere Ermittlungsverfahren sind in den vergangenen Jahren wegen geringer Schuld eingestellt worden.

Wie berichtet waren die Ermittler dem 30-Jährigen über eine sogenannte Funkzellenabfrage auf die Spur gekommen. Mit richterlicher Genehmigung waren die Verbindungsdaten aller Mobiltelefone zur Tatzeit am Tatort angefordert worden. Die Namen wurden dann mit dem Polizeicomputer abgeglichen. Als ehemaliger Schüler am Humboldthain hatte sich M. dann verdächtig gemacht und war besonders überprüft worden. Bei einer Parlamentsdebatte im Januar hatten Linkspartei, Grüne und Piraten die Funkzellenabfrage als „untauglich“ kritisiert. Innensenator Frank Henkel (CDU) hatte dieses Fahndungsmittel verteidigt.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

Autor

9 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben