Berlin : Mutter aller Migranten

Barbara John, Ex-Ausländerbeauftragte, erhielt die Louise-Schroeder-Medaille

Annette Kögel

„Ich habe ja vieles falsch gemacht in meinem Amt“, sagte Richard von Weizsäcker – und damit spielte er nicht auf sein früheres Amt als Bundespräsident an. Nein, er meinte seine Zeit als Regierender Bürgermeister von Berlin. Aber auch damals sei er „durchaus mal von einem guten Geist geleitet worden, und das ist der gute Geist, der da sitzt“. Gemeint war Barbara John, vom Weizsäcker-Senat Anfang der 80er Jahre zur ersten Ausländerbeauftragten Deutschlands gekürt. Für ihre 22 Jahre im Amt wurde die 69-Jährige am Donnerstag mit der Louise-Schroeder-Medaille 2007 geehrt.

Es war eine gemischte Schar, die sich da im Festsaal des Abgeordnetenhauses in Mitte versammelt hatte. Parlamentspräsident Walter Momper begrüßte die Fraktionschefs der Abgeodnetenhausparteien, viele Migrantenvertreter – und „die Girlies“, schließlich nahmen anlässlich des „Girls Day“ etliche Schülerinnen an der Feierstunde teil. Grande Dames der Bildungspolitik waren da, wie Ex- Schulsenatorin Hanna-Renate Laurien, die der CDU-Weggefährtin ebenso reichlich Beifall spendete wie die spätere sozialdemokratische Senatorin Ingrid Stahmer – von ihr kam der Kuratoriumsvorschlag, die vielfach geehrte Professorin Barbara John auch mit einer der bedeutendsten Auszeichnung der Stadt Berlin auszuzeichnen.

Besonders aber freute sich von Weizsäcker, „dass ich hier im Abgeordnetenhaus zu Gast sein darf“. In seiner Laudatio erinnerte er an die Zeit des Viermächteabkommens und der vielen zuziehenden Gastarbeiter – und auch die „wahrhaft bedrückende Atmosphäre“ in der Dienststelle für Ausländer. „Dann kam die Einsicht und meine Bitte an Barbara John, ein nicht existierendes, aber dringend benötigtes Amt zu besetzen.“ In ihrer Zeit als Ausländerbeauftragte von 1981 bis 2003 habe sie mit großer Empathie, Sensibilität und Duchsetzungsvermögen, aber eben auch aus der Perspektive der Zuwanderer mit großer Herzenswärme gewirkt und damit auch Berlin international enormes Ansehen verschafft, sagte Momper. „Was Frau Merkel und Herr Steinmeier jetzt leisten, das haben sie auch Ihnen zu verdanken“, lobte von Weizsäcker ihr Wirken. John hatte übrigens eigens Türkisch gelernt.

Heute ist sie unter anderem Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in Berlin und kümmert sich in der Bildungsverwaltung um Sprachförderung. „Ich freue mich“, sagte die Geehrte dann, „dass auch derjenige, der den Unzufriedenen dieser Welt gerade durch sein Dasein eine Erholungspause verschafft, ebenfalls einen Migrationshintergrund besitzt: Knut“.

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