Berlin : Mutter bestreitet Mord an ihrer achtjährigen Tochter

Seit gestern steht Teshua K. vor Gericht. Sie soll im vergangenen Jahr in einem Schmargendorfer Park ihr Kind getötet haben

Kerstin Gehrke

Die Mutter brach gestern ihr monatelanges Schweigen. Was sie den Richtern mitzuteilen hatte, stand auf fünf Seiten. Teshua K. ließ die Erklärung von ihrer Verteidigerin verlesen. „Die Ermordung meiner Tochter ist das schlimmste Verbrechen, das ich mir vorstellen kann“, trug die Anwältin vor. „Amani war die Freude und der Sinn meines Lebens.“ Sie habe ihre Tochter nicht getötet. „Da bin ich mir absolut sicher.“

Während die Verteidigerin zügig las, hörte Teshua K., eine korpulente Frau von 33 Jahren, ruhig und gefasst zu. Sie zuckte nicht zusammen, wenn der Name ihrer grausam getöteten Tochter fiel. Dabei geht es in dem Prozess um die Frage, ob sie die kleine Amani heimtückisch ermordet hat.

Die Tat löste im Frühjahr vergangenen Jahres Entsetzen und Fassungslosigkeit aus. An einem sonnigen Vormittag Anfang Mai fand eine Spaziergängerin in einer Grünanlage in Schmargendorf ein verblutetes achtjähriges Mädchen. Dem dunkelhäutigen Kind war die Kehle durchgeschnitten worden. Die Mutter soll auf einer Parkbank auf ihre Tochter eingestochen haben. In der Anklage hieß es, Teshua K. habe mit einem Messer auf Amani eingestochen – erst in die linke Schulter, dann eine „schnell ausgeführte bis zur Halswirbelsäule führende Schnittverletzung über den Vorderhals“.

In den Stunden nach dem grausigen Fund wartete die Polizei auf eine Mutter, die ihr Kind vermisst. Doch erst am nächsten Tag meldete sich ein Vater, der das Foto seiner getöteten Tochter in allen Zeitungen gesehen hatte. Die Mutter, die damals allein mit dem Kind in einem Heim für Obdachlose in der Nähe des Tatortes wohnte, war zunächst nicht auffindbar. 36 Stunden nach der Tat tauchte sie wieder auf und ließ sich anstandslos festnehmen.

Im Ermittlungsverfahren äußerte sich Teshua K., Tochter einer Deutschen und eines Ghanaers, nicht zu den Vorwürfen. Spekulationen wurden laut. Die Frau habe wirre Dinge von sich gegeben, war in Boulevardzeitungen zu lesen. Von „Voodoo-Wahn“ war die Rede. In der Erklärung der Mutter spielte so etwas nun keine Rolle. Zu den langen Gewändern, die sie damals trug, ließ Teshua K. erklären: „Ich trug weite Kleidungsstücke, weil mir andere nicht mehr passten.“ Die Anklage nennt keinen Hintergrund für die Tat und stützt sich auf Indizien. Verteidigerin Beate Böhler sagte am Rande des Prozesses, es spreche „wenig bis nichts“ gegen ihre Mandantin. Die Ermittler hätten sich sehr schnell auf die Mutter fokussiert, kritisierte sie. Zu festgestellten Blutspuren an der Kleidung von Teshua K. sagte die Anwältin, nach Aktenlage sei „wenig eindeutig, wie das Blut herankam“.

Die Polizei hat trotz intensiver Suche die Tatwaffe nicht gefunden. Es fehlt bis heute auch das rosa Fahrrad, mit dem Amani unterwegs gewesen sein soll. Und vor allem gibt die Mutter Rätsel auf. Sie behauptete nun: „Ich kann mich an jenen Tag und den nächsten nicht erinnern.“ Sie könne deshalb auch nicht zur Aufklärung des Verbrechens beitragen.

Teshua K. hat nach dem Abitur Politik studiert, das Studium jedoch abgebrochen. 1998 lernte sie Amanis Vater kennen. Nach der Geburt ihrer Tochter sei sie glücklich gewesen, ließ die Angeklagte mitteilen. Der Vater aber habe nur wenig Interesse für das Kind gezeigt. Immer habe sich die Mutter um das Kind gesorgt. Weil die Tochter frühreif gewesen sei, habe Teshua K. befürchtet, sie könnte Opfer sexueller Übergriffe oder Opfer von Menschenhändlern werden. „Ich weiß bis heute nicht, wie ich mit dem Verlust umgehen soll“, hieß es in der Erklärung der Mutter. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt. Kerstin Gehrke

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