Berlin : Mutter muss mit Konsequenzen rechnen

Zwei Tage war Norbert Fromm unauffindbar. Nun prüfen die Ermittler, ob die Fürsorgepflicht verletzt wurde

Jörn Hasselmann

Die Polizei ermittelt immer noch intensiv im Fall des zwei Tage lang verschwundenen Siebenjährigen, der am Mittwoch bei einem 17-Jährigen in einem betreuten Wohnprojekt gefunden wurde. Ein Ermittlungsverfahren wegen Verletzung der Fürsorgepflicht wurde gestern noch nicht gegen Norberts Mutter Tatjana Fromm eingeleitet. Auch im Fall des 17-jährigen Sven, der den Siebenjährigen zwei Tage lang bei sich versteckt hatte, prüft die Polizei noch, ob er sich wegen Kindesentziehung oder Freiheitsberaubung strafbar gemacht hat. Auf jeden Fall wird sich das Jugendamt der Familie annehmen und prüfen, ob sie Hilfe braucht und dieser Vorfall wirklich einmalig ist. Das Kindeswohl müsse im Mittelpunkt stehen, sagte die Leiterin des Landesjugendamtes.

Unklar ist bisher, ob der 17-Jährige für sein Verhalten verantwortlich gemacht werden kann. Obwohl ein psychiatrisches Gutachten noch aussteht, sagten mehrere Ermittler, dass der Siebzehnjährige nicht auf dem geistigen Stand von Gleichaltrigen ist. „Der sucht sich seine Kontakte auf dem Level von Kindern“, sagte ein Ermittler. Andererseits habe er in seinem Heim, wo er mit anderen Jungen betreut wurde, eine „Legende aufgebaut, um den Besuch des Siebenjährigen zu decken“, sagte ein Beamter des LKA. So habe er Mitbewohnern erzählt, dass er ein Kind aus der Nachbarschaft betreue. Über diese Lüge ist er offensichtlich gestolpert. Auch den Siebenjährigen hatte Sven belogen: Angeblich war mit Norberts Mutter Tatjana abgesprochen, dass es in Ordnung sei, wenn er drei Tage bei ihm bliebe. Klar ist den Ermittlern nur, dass der Siebenjährige freiwillig und ohne Zwang die zwei Nächte in der Wohnung in der Zionskirchstraße verbrachte. „Der Siebzehnjährige suchte wohl eine Art Familie“, sagte ein Ermittler. „Das ist nicht verboten.“ Sexuelle Annäherungsversuche habe es nicht gegeben, die beiden hätten überwiegend mit Computern gespielt und Blödsinn gemacht – zum Beispiel Telefonstreiche. Wie berichtet, hatte der 17-Jährige schon häufig Kinder in den Kaufhäusern am Alex angesprochen. Die Kripo war ihm bereits am Dienstag auf der Spur gewesen – noch bevor am Nachmittag der erlösende Anruf des Betreuers des Jugendlichen kam. Denn die SoKo hatte bei ihren Ermittlungen schnell herausbekommen, dass ein Jugendlicher in Kaufhäusern Kinder anspricht und ihnen eine Übernachtungsmöglichkeit anbietet. Der Polizei ist Sven seit vielen Jahren als Ausreißer und wegen Eigentumsdelikten bekannt.

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