Mutter musste in Hennigsdorf aussteigen : Bahnkunden sind über Schaffner empört

Bei Wind und Regen verweist ein Zugbegleiter eine junge Mutter mit ihrem Kind in Hennigsdorf aus dem Zug. Die Bahn entschuldigt das Verhalten des Schaffners mit Sicherheitsbedenken.

Veronique Rüssau
Im Regen stehen lassen. Wieder mal macht die Deutsche Bahn in Sachen Kulanz keine gute Figur.
Im Regen stehen lassen. Wieder mal macht die Deutsche Bahn in Sachen Kulanz keine gute Figur.Foto: dpa

„Xaver“ stürmte heftig am 6. Dezember, und wer nicht im Freien sein musste, verkroch sich vor den kalten Böen. Dass ein Zugbegleiter eine junge Mutter mit ihrem 18 Monate alten Kind trotzdem aus einem Zug gewiesen hat, löst Verwunderung aus.

Die 26-Jährige hatte einen gültigen Fahrschein. Weil ihr Kinderwagen aber seiner Meinung nach im Weg stand, ließ der Zugbegleiter sie wie berichtet mit der Bundespolizei auf dem Bahnhof Hennigsdorf vor die Zugtür setzen. „Unser Kundenbetreuer hat eine hohe Verantwortung. Er allein ist verantwortlich für die Sicherheit aller Fahrgäste und muss dieser Verantwortung – natürlich mit Augenmaß – gerecht werden“, sagt ein Sprecher der Bahn. Der Zugbegleiter habe versucht, dem gerecht zu werden. „Leider hat sich die Situation im Zug zugespitzt. Das bedauern wir sehr.“ Der Vorfall werde nun „natürlich mit dem Kollegen“ ausgewertet. Außerdem sei die Deutsche Bahn mit der Familie im Gespräch.

Frau stieg weinend aus dem Zug

Der Fahrgastverband Pro Bahn schätzt die Lage anders ein. „Es gibt eine klare Regelung, dass Behinderte und Kinderwagen zu bevorzugen sind gegenüber Fahrrädern und Gepäck“, sagt Ulrich Knauer, Sprecher des Landesverbands in Berlin und Brandenburg. „Der Schaffner hätte den Platz, der für Kinderwagen vorgesehen ist, frei machen müssen, anstatt die Mutter in Hennigsdorf vor die Tür zu setzen.“

Wie berichtet, hatten Bundespolizisten und andere Fahrgäste in dem sehr vollen Zug keine Gefahr durch das Abstellen des Kinderwagen gesehen. Die Frau war schließlich weinend ausgestiegen. Die Bundespolizei hatte überlegt, sie zu ihrem Zielbahnhof Neuruppin zu fahren, was aber daran scheiterte, dass die Beamten keinen Kindersitz dabei hatte. Die Frau nahm schließlich einen anderen Zug 45 Minuten später.

Beschwerden in sozialen Netzwerken

Über die sozialen Netzwerke beschweren sich aufgebrachte Kunden über das Verhalten des Bahnangestellten. „Muss man jetzt sogar Angst haben, wenn man mit seinen Kindern und Kinderwagen Zug fährt des Zuges verwiesen zu werden?“, fragt ein Mann via Facebook. Ein zweiter Bahnkunde fügt empört an: „Auch der Kauf einer Fahrkarte schützt nicht vor dem Rauswurf. Das schafft nur die Bahn.“

Auch bei der BVG soll vor kurzem nach Angaben eines Fahrgastes ein Fahrer in einem rappelvollen Bus eine Frau mit Kinderwagen wieder aus dem Fahrzeug gedrängt haben. Die BVG prüft den Fall noch.

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