Berlin : Mutter warf tot geborenes Baby in Müll

37-Jährige wurde entlastet und kam wieder frei. Die Polizei will weiter Deponie nach der Leiche durchsuchen

Jörn Hasselmann

Die schlimmsten Befürchtungen konnte sie zerstreuen: Die Frau, die am Montagabend festgenommen wurde, weil man sie verdächtigte, ihr Neugeborenes getötet und in den Müll geworfen zu haben, ist wieder frei. Die 37-Jährige sagte am Dienstag bei der Polizei aus, dass ihr Kind tot war, als sie es zu Hause auf die Welt brachte. Die Frau soll psychisch krank sein. Sie war bereits in der Psychiatrie und habe eine neuerliche Einweisung befürchtet, wenn sie Behörden oder ein Krankenhaus über die Geburt informiert. Also warf sie das Kind in den Müll.

Wie in einem Teil der gestrigen Auflage berichtet, hatte die Polizei am Montagabend die Müllsortieranlage in der Neuköllner Gradestraße stoppen lassen. Der Einsatz ging auf einen Tipp vom sozialpsychiatrischen Dienst zurück. Dort war aufgefallen, dass die Frau nach ihrer Schwangerschaft keine plausiblen Angaben zum Verbleib des Kindes machen konnte. Nach einer Vernehmung der Mutter hatte die Kripo kurzfristig entschieden, auf der Deponie den Müll zu durchsuchen, der am selben Tag im Bereich der Sonnenallee abgeholt worden war. Gegen 21 Uhr wurde die Aktion abgebrochen.

Die Aussage der Frau über die Totgeburt wird von einer Gynäkologin gestützt, die die Hochschwangere unmittelbar vor der Geburt untersucht hat. Wie der Leiter der Mordkommissionen, André Rauhut, sagte, wollte die Ärztin die Patientin sofort ins Krankenhaus bringen lassen, da die Entbindung bevor stand. Der Geburtshilfewagen der Feuerwehr war bereits auf dem Weg, da flüchtete die 37-Jährige aus der Praxis. Am nächsten Tag, dem 15. Oktober, kam das Kind zur Welt.

Wie Rauhut sagte, wäre das Neugeborene höchstwahrscheinlich auch mit medizinischer Hilfe nicht lebensfähig gewesen. Das Kind dürfte etwa in der 30. Schwangerschaftswoche entbunden worden sein. Es war vermutlich deutlich unterentwickelt. Bis auf diesen einen Besuch bei der Gynäkologin hatte die Frau in ihrer Schwangerschaft keine Praxis aufgesucht oder um Hilfe gebeten. Über den Vater des Kindes machte die Frau bei der Kripo keine Angaben.

Trotz der neuen Erkenntnisse will die Kripo weitere 270 Tonnen beschlagnahmten Mülls untersuchen. Dieser Berg ist mittlerweile gepresst worden und wurde mit einem Güterzug auf die BSR-Deponie im brandenburgischen Schöneiche gefahren. Dort hat die Polizei bessere Möglichkeiten, den Müll zu sieben und mit Hunden beschnüffeln zu lassen. Die Hoffnung, die Leiche noch zu finden, sind gering.

Erst vor sieben Wochen war in Neukölln ein getöteter Säugling gefunden worden. Doch die Suche nach der Mutter blieb bis heute ohne Ergebnis. Am 2. September wurde der Junge in einem Gebüsch an der Bendastraße gefunden. Er war nach einer Hausgeburt erdrosselt worden. Trotz einer Belohnung seien keinerlei verwertbaren Hinweise eingegangen, teilte die Polizei mit.

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