• Mutter wegen Misshandlung festgenommen Frau schüttelte Tochter Augenzeugin rief Polizei

Berlin : Mutter wegen Misshandlung festgenommen Frau schüttelte Tochter Augenzeugin rief Polizei

Jörn Hasselmann

Die Polizei hat eine 23-jährige Mutter aus Hohenschönhausen vorläufig festgenommen, die ihr zwei Jahre altes Kind mehrfach misshandelt haben soll. Da die Frau wegen Körperverletzung vorbestraft ist, wurde sie gestern einem Haftrichter vorgeführt. Nach Auskunft der Polizeipressestelle konnte sie anschließend wieder nach Hause gehen, ein Haftbefehl wurde nicht erlassen.

Eine Zeugin hatte am Freitagvormittag auf der Straße beobachtet, wie die Frau das Kind anschrie, massiv schüttelte und anschließend grob auf den Rücksitz ihres Autos warf. Die 39-Jährige sprach die Mutter an, diese reagierte jedoch sehr aggressiv und fuhr weg. Darauf notierte sich die Zeugin das Kennzeichen und rief die Polizei. Diese konnte die Mutter am Nachmittag ermitteln. Die Beamten brachten das Kind zum Arzt, der mehrere Hämatome am Körper des Mädchens feststellte. Wie Chefermittlerin Gina Graichen sagte, ist das zweijährige Mädchen das einzige Kind der allein erziehenden Mutter. Im Zuge der Ermittlungen fand die Kripo weitere Zeugen, die berichteten, dass die Mutter ihr Kind schon vor Wochen geschlagen und getreten haben soll – und zwar mehrfach.

Das Schütteln eines Babys sei eine sehr schlimme Misshandlung, sagte die Beamtin, „das lernt man in jedem Geburtsvorbereitungskurs, das man das nicht darf“. Infolge derartiger Schütteltraumata sind schon mehrere Kleinkinder und Säuglinge gestorben. Mitunter erleiden die Kinder auch schwere Hirnschädigungen und körperliche oder geistige Behinderungen. So hatte im September 2003 ein 20-Jähriger in Templin seinen vier Wochen alten Sohn so stark geschüttelt, dass dieser schwerste Kopfverletzungen und vermutlich bleibende Schäden erlitt. Die Ärzte haben das kleine Mädchen aus Hohenschönhausen im Krankenhaus aufgenommen, um eventuell eintretende Folgen sofort behandeln zu können.

Im Jahr 2003 ermittelte das Fachkommissariat für Kindesmisshandlungen in 364 Fällen – gut 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Ein Kind starb an Misshandlungen, 2002 waren es fünf. In den ersten Monaten 2004 seien die Zahlen weiter gestiegen, hieß es bei der Kripo. Es werden mehr Taten angezeigt, weil die Öffentlichkeit sensibler geworden sei. Früher hätten viele Zeugen weggesehen und nicht sofort die Polizei geholt wie die 39-jährige Frau.

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