Myfest : Als die Sonne ging, kam die Gewalt

Strahlende Sonne, laute Beats, gute Stimmung - doch am Abend verflog die Hoffnung auf ein friedliches Myfest in Kreuzberg.

Florian Ernst
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Entertainer. Was wäre das Myfest ohne Musik? Viele Besucher lauschen der Zwei-Mann-Combo am Heinrichplatz. -Foto: Henning Onken

Berlin  Die U-Bahn am Kottbusser Tor spuckte schon seit dem Mittag mit jedem Zug hunderte Menschen aus. Kreuzberg ist am 1. Mai in bester Feierlaune. 15 000 Menschen, so schätzten die Veranstalter, waren schon am Nachmittag auf dem Myfest-Gelände im Dreieck zwischen Oranienplatz, Kottbusser Tor und Mariannenplatz unterwegs. Und nicht allein das Wetter sorgte für perfekte Rahmenbedingungen. Neben vielen Jugendlichen waren auch viele Familien mit Kindern unterwegs. Auf insgesamt 19 Bühnen wurde gerockt, gerappt oder anderweitig musiziert. Viele verscheidene DJs und Künstler sorgten für Stimmung.

Doch als die Sonne ging, verflog auch die Hoffnung auf ein rundum friedliches Fest. Die Steine und Flaschenwürfe gegen die Polizei unterbrachen die Aufführung auf der Bühne am Kottbusser Tor. Doch der Wunsch, sich das Myfest nicht kaputtmachen zu lassen, blieb spürbar. Selbst am Kottbusser Tor wurde nach dem Ende des Polizeieinsatzes ab 21 Uhr wieder Musik gemacht; auf allen anderen Bühnen ging das Programm zunächst weiter, als sei nichts gewesen. Viele Fest-Besucher bekamen von den Auseinandersetzungen auch nichts mit. Aber die Hoffnung der Veranstalter war vergebens. Als die Auseinandersetzungen sich am späten Abend fortsetzten, die Dresdener Straße von Steinen übersät war und die Autonomen sich in der Adalbertstraße formierten, wurde dort schnell das Bühnenprogramm beendet und die Stände eilends zusammengepackt.

Ein junges Paar, das am Nachmittag mit einem Kinderwagen an der Bühne vor dem SO 36 in der Oranienstraße steht, freut sich am Nachmittag noch über die gelöste Stimmung. Der junge Vater hat seine fünfjährige Tochter auf den Schultern, seine Partnerin trägt den einjährigen Sohn auf dem Rücken. "Wir kommen schon seit Jahren immer her", erzählt Oskar. Früher sei die Stimmung aggressiver gewesen. Überall in den Straßen verkauften Ladenbesitzer und Anwohner Speisen und Getränke. Auf dem Mariannenplatz gab es für die Kinder einen Räuber-und-Gendarm-Parcours. Die Kinder mussten dabei an mehreren Orten verschiedene Aufgaben erledigen. Jedes Kind, das eine bestimmte Zahl von Aufgaben erfolgreich erledigte, bekam ein hellblaues T-Shirt mit dem Aufdruck "Räuber und Gendarm" als Geschenk. Am Abend wurde aus dem Spaß dann Ernst.

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