Myfest : Flaschen sammeln für den Frieden

Mit dem Myfest wollen die Kreuzberger erneut Krawalle am 1. Mai verhindern. Der Bezirk lässt das Altglas von der Straße räumen - von Hartz-IV-Empfängern.

Jörn Hasselmann
Myfest
Stammgäste. Das Anti-Konflikt-Team der Polizei ist beim Myfest dabei. -Foto: Rückeis

In Kreuzberg heißt es am kommenden 1. Mai bereits zum sechsten Mal: Kunst statt Krawall. Das Myfest (gesprochen: Mai-Fest) soll auch in diesem Jahr den Randalierern den Platz und die Lust am Krawall nehmen. Auf 17 Bühnen zwischen Oranien- und Heinrichplatz wird ganztägig Musik gemacht, auftreten sollen unter anderem die französische Rapperin Keny Arkana und die italienische Ska-Band Banda Bassotti. Derweil treffen sich auf dem Mariannenplatz traditionell die Familien zum Picknick.

Zufrieden stellte der grüne Bezirksbürgermeister Franz Schulz gestern fest, dass das vom Bezirk organisierte und von der Polizei unterstützte Myfest die „ritualisierte Gewaltnormalität“ in Kreuzberg beendet habe. Auch der Einsatzleiter der Polizei, Bernhard Kufka, sagte gestern, er sei „optimistisch, wieder ein gutes Stück voranzukommen“. Kufka betonte aber auch, dass die Polizei am 1. Mai nur noch „ein kleinen Teil“ zur Gewaltlosigkeit beitragen könne. Verantwortung hätten vor allem die Anwohner. Diese will das Bezirksamt in diesem Jahr auch zum Flaschensammeln einbinden. Gegen Geld sollen „Ältere und Hartz-4-Empfänger“ Glasflaschen auflesen, damit diese von Randalierern nicht als Wurfgeschoss missbraucht werden können. In den vergangenen Jahren war beobachtet worden, dass vor allem Betrunkene gerne Bierflaschen auf Polizisten werfen. 2007 waren 115 Polizisten (überwiegend leicht) verletzt worden, viele durch Flaschen. An fünf Stellen im Kiez will der Bezirk am Feiertag Sammelstellen einrichten, sagte Schulz. Freiwillige bekämen dort Lohn, Handschuhe und Säcke.

In diesem Jahr gibt es offenbar nicht einmal mehr Streit um die so genannte „Revolutionäre 1. Mai-Demo“, die am Abend mitten durch das Fest ziehen will. Wie berichtet, haben die Autonomen eine Route, kreuz und quer durch die von ihnen als „vom Senat spendiertes Konsumfest“ kritisierte Veranstaltung angemeldet. Anders als in den Vorjahren wird dies von Polizei und Bezirk nicht mehr generell abgelehnt. Derzeit verhandeln Polizei und Veranstalter nur noch über die genaue Route. Nach Angaben von Bürgermeister Schulz dürfe die Sicherheit der Festteilnehmer nicht durch die Demo gefährdet werden.

Auch wenn sich diese „Revolutionären“ gerne aggressiv gebärden – der Krawall geht von dieser Demo aber schon lange nicht mehr aus. In den vergangenen Jahren wurden als Steinewerfer und Mülltonnenanzünder überwiegend arabische Jugendliche und deutsche Betrunkene festgenommen.

Unklar ist weiterhin die Situation in der Walpurgisnacht – traditionell am Abend vor dem 1. Mai. Die „Anti-Nato-Gruppe“ hat, wie berichtet, das in den Vorjahren am Boxhagener Platz in Friedrichshain veranstaltete Punk-Konzert in diesem Jahr abgesagt. Stattdessen will dieser Teil der Szene nach Hamburg fahren, um dort gegen einen Aufmarsch von Neonazis zu protestieren. Erwartet wird jedoch, dass sich auch ohne Konzert Menschen am „Boxi“ und im Mauerpark sammeln. An beiden Orten war es in den Vorjahren zu Auseinandersetzungen mit der Polizei gekommen.

Das Bühnenprogramm im Internet gibts hier.

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