Myfest : Friedliche Maifeier in Berlin

Tausende Menschen haben am 1. Mai in Berlin-Kreuzberg bei schönstem Sonnenwetter das "Myfest" gefeiert - ein vom Bezirksamt organisiertes Volksfest. Die befürchteten Krawalle in der Hauptstadt blieben nach Polizeiangaben bis zum frühen Abend aus. (01.05.2005, 18:40 Uhr)

Berlin - An zwei Demonstrationen der linken Szene am Nachmittag im Szene-Stadtteil Kreuzberg beteiligten sich am Sonntag laut Polizei insgesamt mehr als 2000 Menschen. Bei den Walpurgisfeiern am Vorabend des 1. Mai hatte es wieder einzelne Krawalle gegeben.

In der Nacht zum Sonntag waren in Berlin-Friedrichshain und Prenzlauer Berg 65 mutmaßliche Randalierer festgenommen worden. Drei Polizisten erlitten leichte Verletzungen. Ein Funkwagen sowie ein Wartehäuschen der Verkehrsbetriebe wurden nach einer Bilanz der Polizei beschädigt.

Insgesamt verliefen die Feiern aber deutlich friedlicher als in den vergangenen Jahren. Ein Polizeisprecher nannte als Gründe vor allem das Flaschen- und Dosenverbot, den Einsatz von Antikonflikt-Teams der Polizei und die Beleuchtung der Veranstaltungsorte im Mauerpark in Prenzlauer Berg sowie am Boxhagener Platz in Friedrichshain. Seit 1987 ist es am 1. Mai in Berlin trotz aller Vorkehrungen der Polizei stets zu Krawallen gekommen, in den ersten Jahren nur in Kreuzberg, später auch in Mitte und Prenzlauer Berg.

Das «Myfest» war am Sonntagvormittag mit einem Ökumenischen Gottesdienst und dem Appell «Keine Gewalt» eröffnet worden. Zwischen Heinrich-, Mariannen- und Oranienplatz waren zahlreiche Bühnen und Imbissstände aufgebaut. Bis zum späten Abend standen in dem durch seine Alternativszene und einen hohen Ausländeranteil bekannten Stadtteil zahlreiche Veranstaltungen mit Musik aus aller Welt, Tanz und Theater sowie Sportturniere und Podiumsdiskussionen auf dem Programm.

Nach Polizeiangaben rund 1200 Menschen beteiligten sich am Nachmittag an einer «Revolutionären 1. Mai-Demonstration» durch Kreuzberg und Neukölln, zu der vor allem maoistische und kurdische Gruppen aufgerufen hatten. «Die Zeit des Kapitalismus ist abgelaufen, wir brauchen eine radikal andere Welt», sagte eine Rednerin auf dem Oranienplatz. Mit dem «Myfest» des Bezirksamtes sollten Demonstranten aus Kreuzberg vertrieben werden, kritisierte sie. Die Polizei hielt sich mit einem Großaufgebot von Beamten in Seitenstraßen in Bereitschaft.

Auf Anordnung der Polizei durften die Demonstranten wegen des Volksfestes nicht bis zum Heinrichplatz, sondern nur bis zum Kottbuser Tor ziehen. In der Vergangenheit war dieser Umzug stets friedlich geblieben. Auch dieses Mal sei der Umzug «planmäßig und friedlich» verlaufen, hieß es bei der Polizei. An einer Demonstration von Hausbesetzern «Keine Räumung der Yorckstraße 59» in Kreuzberg nahmen nach Polizeiangaben etwa 800 Menschen teil.

Eine weitere, für den Abend geplante «Revolutionäre 1. Mai-Demonstration» der autonomen Szene und anderer linksradikaler Gruppen war abgesagt worden. Die Initiatoren begründeten dies mit harten Auflagen der Polizei, die einem Verbot gleichkämen. Sie hatten ihre Anhänger aufgerufen, sich unter das Festpublikum zu mischen. (tso) (tso)

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