Berlin : Mysteriöse Infektion: Experten sehen keine Gefahr für Berlin

28-Jährigem geht es besser, er bleibt aber in Quarantäne Erreger offenbar nicht so hochansteckend wie befürchtet

Ingo Bach

Berliner Mediziner und Gesundheitsämter geben im jüngsten Verdachtsfall der mysteriösen Infektionskrankheit Sars vorsichtige Entwarnung. Obwohl der Krankheitserreger bei dem auf der Isolierstation des Virchow-Klinikums behandelten 28-Jährigen bisher nicht gefunden wurde, gebe es für die Berliner keinen Anlass zur Sorge, sagt der stellvertretende Leiter des Berliner Tropeninstitutes, Thomas Jelinek. Der Erreger sei nicht so ansteckend wie zunächst vermutet.

„Nur direkte Kontaktpersonen und die behandelnden Ärzte und Pflegekräfte sind unmittelbar gefährdet“, sagte der Tropenmediziner gestern auf einer Pressekonferenz. Es sei unwahrscheinlich, dass man sich im Flugzeug oder der U-Bahn anstecken könne. Der Berliner Patient sei in einem „ausgezeichneten Zustand“, sagte Norbert Suttorp, Direktor der Medizinischen Infektologieklinik des Virchow-Klinikums der Charité. „Wenn es sich tatsächlich um Sars handelt, dann ist dies ein ausgesprochen milder Verlauf.“

Hätte der Mann, der am Sonntagmorgen aus Schanghai zurückgekehrt war, nicht schon am Sonntag die ersten Krankheitssymptome gezeigt, sondern erst am gestrigen Dienstag, wäre er nicht einmal unter Quarantäne gestellt worden. Denn die Gesundheitsämter entscheiden bei der rätselhaften Lungenentzündung Sars nach Kriterien, die vom Berliner Robert-Koch-Institut definiert werden. Diese sind sehr weit gefasst: Mehr als 38,5 Grad Fieber, Muskelschmerzen, Atemwegsprobleme und ein Aufenthalt in Südostasien innerhalb der letzten neun Tage vor dem Auftreten der ersten Krankheitsanzeichen.

Dies hatte der 28-Jährige erfüllt – und landete schließlich auf der Isolierstation des Virchow-Klinikums. Doch nach der neuesten Sars-Definition gelten nur noch die Personen als gefährdet, die direkt aus den Seuchengebieten einreisten: also die vietnamesische Hauptstadt Hanoi und Umgebung, Südchina und mittlerweile auch die kanadische Metropole Toronto. Schanghai, woher der Berliner am Sonntag zurückkehrte, gilt nicht mehr als gefährliches Gebiet.

Doch am Montag, als der Mann seinen Arzt aufsuchte, lief noch die ganze Seuchenschutzmaschinerie an: der 28-Jährige wurde am Abend mit einem Spezialtransporter in die streng abgeschirmte Quarantänestation des Virchow-Klinikums gebracht. Die Ärzte und Pfleger verkehren mit ihm nur im Schutzanzug. Die Kontaktpersonen, also seine Lebensgefährtin, der Arzt, der ihn behandelt hatte und der Taxifahrer, der ihn zum Arzt gefahren hatte, wurden unter häusliche Quarantäne gestellt, sprich: Sie dürfen ihre Wohnungen nicht verlassen.

Die Unklarheit über den Erreger dieser gefährlichen Art der Lungenentzündung zeigte sich gestern auch auf der Pressekonferenz der Senatsgesundheitsverwaltung. Während die Berliner Seuchenreferentin Anna-Luise Wesirow sagte, der Erreger sei wahrscheinlich ein Virus, meinte der Infektologe Norbert Suttorp, es handele sich wohl um ein neues Bakterium. Erst am Donnerstag werde man Gewissheit haben, welcher Keim hier gewirkt habe.

Von den sechs Berlinern, die im selben Flugzeug saßen, wie der erste an Sars erkrankte Arzt in Frankfurt/Main wurden erst fünf unter häusliche Quarantäne gestellt, weil der sechste wieder aus der Stadt abgereist war, ohne dass ihn das zuständige Gesundheitsamt kontaktieren konnte. Ein im selben Flugzeug eingereister Mann aus Brandenburg weist bislang keine Anzeichen einer Erkrankung auf.

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