Berlin : Mythen und Riten: Birke pflanzen

Holger Müller-Hillebrand

Oftmals pflanzt der Ehemann bei dem uralten Brauch der "Bräutigamspflanzung" nach der Trauung im eigenen Garten oder Dorf eine Birke. Der Baum, ein Sinnbild der Fruchtbarkeit, wächst und gedeiht mit den Jahren - und ein alter Spruch besagt: So verschieden seine Wachstumsphasen und Jahresringe sind, so wird auch die Ehe sein. Doch warum gerade die Birke? Zwar ist die Birke einer der ersten Bäume, der im Frühling Grün ansetzt. Doch ihre Zweige werden erst später im Jahr hart. Die Birke reift wie das Paar. Auch eine junge Ehe ist schön wie das zarte Grün, wird aber erst mit der Zeit stark genug, um äußere Widerstände überstehen zu können. Eine weitere Erklärung könnte in den zahlreichen Mythen liegen, die sich um den Baum ranken. So glaubten die Menschen in früherer Zeit zum Beispiel, dass denjenigen, die mit einer Rute aus Birkenreisig berührt werden, ein langes und fruchtbares Leben gewiss sei. Der wichtigste Grund für die Beliebtheit der Birke als Hochzeitsbaum mag von einem anderen Brauchtum herrühren, das das Brautpaar meist lange vor der Heirat erlebt hat: dem Maibaum-Ritual. Nach wie vor ist es in vielen Gegenden üblich, zum 1. Mai seiner Liebsten mit Papierbändern geschmückte Birkenzweige oder -bäume am Haus zu befestigen. Was heute oft mehr eine große Gaudi darstellt, galt früher als durchaus ernst zu nehmender Liebesbeweis - und als symbolischer Heiratsantrag.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben