Berlin : Mythen und Riten: Der Trauring

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Schon die alten Ägypter glaubten, dass er eine besondere Bedeutung habe, der vierte Finger der Hand. Ihrer Anatomielehre nach führt eine Arterie von dort direkt zum Herzen, ins Zentrum aller Gefühle. Der Brauch, an diesen besonderen Finger zur Hochzeit einen Ring zu stecken, kam allerdings erst unter den Römern auf, etwa 100 nach Christus. Oft hatte dieser römische, aus Eisen gefertigte Trauring die Form eines kleinen Schlüssels, um zu demonstrieren, dass die Herrschaft über den häuslichen Bereich auf die Frau übergegangen sei. Der Ehemann blieb ringlos bis ins Mittelalter. Allerlei Legenden ranken sich seitdem um den Trauschmuck: In Teilen Frankreichs heißt es, dass, wenn der Ring am vorderen Teil des Fingers der Braut stecken bleibt, die Frau das Haus beherrschen wird. Auch aus dem bayerischen Landbezirk Bruck sind Schilderungen überliefert von regelrechten Kämpfe vor dem Altar, als sowohl Braut als auch Bräutigam versuchten, beim Ringtausch die Hand oben zu behalten. Der Pfarrer soll aber oft eingegriffen haben, wenn der Bräutigam zu verlieren drohte.

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