Berlin : Mythen und Riten: Die Junggesellenparty

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Es gibt einige Verwicklungen und Umwege, bis endlich geheiratet werden darf. Die traditionelle Abschiedsparty vom Junggesellendasein am Vorabend einer Hochzeit wird vor allem in Ländern gefeiert, in denen ein Polterabend weitgehend unbekannt ist. Aus England soll der Brauch stammen, Holland und Amerika sind ebenfalls bekannt für "Vrijgezellenavond", "Bachelor-" oder "stag-partys" (wörtlich "Hirschbock-Party") - teilweise exzessive Feten mit Gogo- und Tabledancern. Aber auch hierzulande wird beim Junggesellenabend richtig auf die Pauke gehauen, je nach Stil, Niveau und Ideenreichtum der Freunde. So reicht die Palette der Amüsements von eher harmlosen Fußballabenden, Wanderungen und Kneipenbesuchen bis zu angeheuerten Striptease-Tänzerinnen und Ausflügen nach St. Pauli. Feucht-fröhlich und zumindest leicht derb geht es bei diesem "letzten Abend in Freiheit" auf jeden Fall zu. Eine Möglichkeit soll sein, den Bräutigam mit Handschellen in der Damentoilette einer Bar anzuketten. Um freizukommen, muss dieser eine der Frauen dazu bringen, den Schlüssel freizukaufen, indem sie den anwesenden Freunden einen ausgibt. Als der Bräutigam noch beim Brautvater um die Hand seiner Zukünftigen anhalten musste, war der Junggesellenabend eine eher ernste Angelegenheit: Man(n) traf sich beim Vater des Bräutigams in schwarzer Krawatte und Anzug. Das Feiern war damals noch nicht so wichtig. Stattdessen gab es lange Ansprachen über die Bedeutung der Ehe und das Ende eines Lebensabschnitts. Heute hingegen bietet der Junggesellenabend dem Brautpaar die letzte Chance, vor der Hochzeit alles auszuleben, worauf es nach dem Jawort vielleicht verzichten muss. Denn auch das weibliche Geschlecht hat in dieser Frage inzwischen Gleichberechtigung erlangt - selbst im prüden Amerika: Auf "Hen Nights" und hiesigen Brautpartys dürfen die zukünftigen Ehefrauen mit ihren Freundinnen noch einmal so richtig über die Stränge schlagen. Bei der in den USA üblichen "Bridal Shower" werden nur weibliche Gäste geladen, welche die Braut mit haushaltstauglichen Kleinigkeiten geradezu überschütten. Natürlich wird anschließend ausgiebig gefeiert, manchmal sogar mit einem Auftritt der Chippendale-Jungs.

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