Berlin : Mythen und Riten: Die Nächsten

Holger Müller-Hillebrand

Die Liebe bestehe zu drei Vierteln aus Neugier, soll Casanova einmal gesagt haben. Eine ähnliche Neugier treibt die Menschen auch schon, wenn darüber spekuliert wird, wer denn wohl als nächstes in den Hafen der Ehe einlaufen wird. Und aus eben dieser Neugier sind Brauchtümer entstanden, die bis zur heutigen Zeit Bestandteil vieler Hochzeitsfeiern sind - und bei denen es nur um die eine Frage geht: Wer wird der oder die Nächste sein? Neben dem Werfen des Brautstraußes gibt es noch einige weitere weniger bekannte Wege, die nächste Braut zu bestimmen. Deshalb aufgepasst, sollte die Braut gegen Mitternacht plötzlich die Haarnadeln aus dem Schleier entfernen und der Bräutigam ihr die Augen verbinden. Denn dann folgt mit ziemlicher Sicherheit der so genannte "Schleiertanz". Bei diesem Ritual - das früher ein Symbol für die Entjungferung der Braut war, heute aber einfach einen großen Spaß darstellt - wird die Braut anschließend in die Mitte der Tanzfläche geführt, wo sie tanzen darf. Stoppt die Musik plötzlich, sind alle unverheirateten Frauen aufgefordert, ein Stück des Schleiers zu ergattern. Diejenige, die das erste Stück des Schleiers erhascht, wird dem Glauben nach bald selbst vor dem Traualtar stehen. Da bei diesem Spektakel der Schleier oft zerrissen wurde, existiert auch eine entschärfte Variante des Rituals: Der Braut werden mit dem eigenen Schleier die Augen verbunden. Dann versucht sie, eine der noch ungebundenen weiblichen Gäste zu fangen. Aus ländlichen Gegenden kommt dagegen der Brauch, bereits Tage vor dem Hochzeitsfest Knödel herzustellen, die dann während der Feier zum Verzehr angeboten werden. Einer der zahlreichen Knödel ist mit einer Pflaume oder Mandel gefüllt. Es gilt: Wer in diesen hineinbeißt, heiratet bald. Allerdings konnte es bei diesem Brauchtum auch passieren, dass der gefüllte Knödel einen bereits verheirateten Gast traf.

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