Berlin : Mythen und Riten

Holger Müller-Hillebrand

Um das Hochzeitskleid ranken sich zahlreiche magische Brauchtümer. Dabei geht es keineswegs nur um seine "richtige" Farbe, über die gestreitet werden kann. Einst, als man sich um das Kleid noch in Eigenregie kümmern musste, begann der Aberglaube schon lange, bevor mit der eigentlichen Arbeit am "Traum in Weiß" überhaupt begonnen worden war.

Das fing schon mit der Wahl der Hochzeits-Schneiderin an. Denn keineswegs durfte diese Aufgabe die Braut selbst übernehmen - wenigstens dann nicht, wenn man dem alten Spruch "So viele Stiche, so viele Tränen" Glauben schenkte. Das führte dazu, dass sich selbst Schneiderinnen ihr Hochzeitskleid nähen ließen. Da sich früher wie heute viele Familien den Schneiderdienst aber ohnehin nicht leisten konnten, wurde in manchen Gegenden aus der Not eine Tugend gemacht und der Mythos verbreitet, dass es gerade Glück bringe, wenn die Braut an ihr Kleid selbst Hand anlegte. Welcher Weissagung auch immer gefolgt wurde, getan war es damit allerdings noch lange nicht.

Nun galt es darauf zu achten, dass in dem Zimmer, in dem das Kleid genäht wurde, niemand laut sang, pfiff, weinte oder stritt. All dieses hätte nämlich die bösen Geister aufmerksam werden lassen können - und sie sollten das Kleid nun auf keinen Fall ins Auge fassen. Außerdem war dafür zu sorgen, dass das Brautkleid nicht zu früh fertig gestellt wurde.

Nach alter Sitte galt es in weiten Teilen Deutschlands sogar, erst am Hochzeitsmorgen die letzten Stiche zu setzen.

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