Berlin : Na, Süße!

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Von Andreas Conrad

Liebe geht durch den Magen, heißt es. Der Normalbürger denkt da zuallererst ans Emotionale, an den willigen Geist statt ans schwache Fleisch. Ein Irrtum, wie kulturhistorisch leicht zu beweisen ist. Wurden nicht dem Barockmenschen– nachzulesen in Grimmelshausens „Simplicius Simplicissimus“ – stark gewürzte Würste serviert, um Leidenschaft zu entfachen? Sodann die unzähligen Formen der Versuchung, zu der Konditoren im Laufe der Jahrhunderte ihre Fantasie entfesselten, die Mozartkugeln und Kosakenzipfel, die Brüstchen aus Marzipan. Erst kürzlich machte ein Schöneberger Zuckerbäcker mit leckeren Erotika von sich reden. Nicht zu vergessen Juliette Binoche, die in „Chocolat“ mit Pralinen zu neuer Leidenschaft verführt. So gesehen, liegt Schauspielerin Christine Neubauer voll im Trend, die bei den Kreuzberger Dreharbeiten zur ARD-Romanze „Lauter tolle Männer“ die Sinnlichkeit des Konditorgewerbes pries: „Wenn ich Schokolade rühre und Sahne schlage, hat das etwas sehr Erotisches. Außerdem gibt es wohl Leute, die mit mir Torten und Pralinen verbinden.“ Dennoch raten wir davon ab, Partnerinnen nur noch als „Torte“ zu titulieren. Das könnte statt zum Liebeslager zur Tortenschlacht führen.

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