• Nach 20 Minuten war der Albtraum vorbei: Geiselnahme beendet 27-Jähriger kaperte Linienbus X21 am Schumacher-Damm

Berlin : Nach 20 Minuten war der Albtraum vorbei: Geiselnahme beendet 27-Jähriger kaperte Linienbus X21 am Schumacher-Damm

Geiseln konnten unverletzt befreit werden / Motiv unklar

Christoph Stollowsky,Lars von Törne

Von Christoph Stollowsky

und Lars von Törne

Die Bilder weckten schreckliche Erinnerungen: Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage wurde gestern Abend ein Berliner Linienbus entführt, deutschlandweit ist es gar der dritte Fall in 16 Tagen. Allerdings dauerte diesmal der Albtraum nur gut 20 Minuten, bevor die Polizei den Spuk beendete. Ein mit einem Messer bewaffneter Mann hatte am Sonntagabend in Reinickendorf kurzzeitig einen Bus gekapert. Als Spezialeinsatzkräfte das Fahrzeug umstellten, gab der Täter nach Angaben eines Polizeisprechers ohne weiteren Widerstand auf. Drei Fahrgäste und der Busfahrer, die sich zuletzt noch in seiner Gewalt befanden, kamen unverletzt frei.

Der Geiselnehmer, ein 27 Jahre alter Ausländer – Zeugen zufolge ein Libanese – sollte noch in der Nacht dem Haftrichter vorgeführt werden. Zunächst hatte er nach Polizeiangaben insgesamt neun Geiseln in dem Wagen festgehalten, eine Familie mit drei Kindern im Alter von 6, 8 und 9 Jahren ließ er jedoch noch vor seiner Aufgabe freiwillig gehen. Während deren Freilassung im hinteren Teil des Busses ließ der Täter den Fahrer aus den Augen, weshalb es diesem gelang, sofort die Polizei zu informieren. Mehr als 30 Einsatzwagen der Direktion 1 rasten daraufhin zum Kurt-Schumacher-Platz. Doch als sie dort eintrafen, hatte der Täter den Busfahrer bereits selbst vor dem U-Bahnhof Kurt-Schumacher-Platz zum Halten gezwungen. Dort ließ er die fünfköpfige Familie frei.

Mit drei Fahrgästen und dem Fahrer als Geiseln blieb der junge Mann im Bus, während die Polizei rund acht Minuten nach Beginn der Geiselnahme das Fahrzeug massiv mit Einsatzwagen umringte. „Mehrere Beamte in Zivil gingen auf den Bus zu und versuchten, mit dem Mann zu reden“, sagte der leitende Polizeidirektor Klaus Keese auf einer später einberufenen Pressekonferenz. „Wir wussten, dass er keine Pistole hatte und mussten uns deshalb nicht entsprechend vorsehen.“ Die erste Kontaktaufnahme der Polizei lehnte der Täter jedoch ab. Daraufhin zogen die Beamten noch massiver vor dem Bus auf. Klaus Keese: „Dem Mann sollte klar sein, dass wir es ernst meinen.“ Beim zweiten Annäherungsversuch ließ sich der Täter auf Verhandlungen ein und wurde nach einem kurzen Gerangel ohne Blutvergießen festgenommen.

„Das war ein professioneller, schneller Einsatz“, freute sich danach die Polizei. Ein SEK-Kommando war zwar präsent. Man habe den Bus aber nicht gestürmt, hieß es. Die Geiseln wurden nach ihrer Befreiung von Polizeipsychologen betreut „und erst mal am Platz mit einem Kaffee versorgt“.

Erst am Freitag hatte in Bremen ein 17-Jähriger einen Bus entführt und 16 Geiseln genommen. Auch dieser Vorfall wurde von der Polizei ohne Blutvergießen beendet. In Berlin hatte vor rund zwei Wochen ein flüchtiger Bankräuber einen Linienbus entführt. Nach einer knapp vierstündigen Belagerung stürmten Spezialkräfte den eingekesselten Wagen. Der Geiselnehmer wurde festgenommen, zwei Geiseln kamen frei.

Unklar blieb am Abend, ob der junge Mann konkrete Forderungen gestellt hatte oder möglicherweise ein politischer Hintergrund Auslöser der Tat war. Der Bus war auf dem Weg von der Uhlandstraße zur Messe, der Kurt-Schumacher-Platz liegt auf regulären Fahrstrecke. Wegen der weiträumigen Absperrungen des gesamten Gebiets durch die Polizei kam es gestern Abend zu Störungen des gesamten Verkehrs rund um den Kurt-Schumacher-Damm.

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