Berlin : Nach 64 Jahren: Foto-Klinke ist pleite

In der gesamten Branche herrscht Untergangsstimmung. Digitaltechnik und Internet-Konkurrenz machen den Fachhändlern zu schaffen

Jörg-Peter Rau

Foto-Klinke ist insolvent, alle zwölf Filialen sind geschlossen. Ein weiteres Berliner Traditionsunternehmen muss aufgeben, die Außenstände liegen bei 1,5 Millionen Euro. Gestern wurde das Hauptgeschäft in der Friedrichstraße ausgeräumt, andere Läden stehen bereits ganz leer. Fotoarbeiten und Reparaturen müssen in der Klinke-Verwaltung in Mariendorf abgeholt werden. Den 62 Mitarbeitern droht die Arbeitslosigkeit, denn in der ganzen Fotohandels-Branche ist die Stimmung miserabel.

Ein Interessent für die seit 1928 bestehende Firma hat sich nach Angaben von Insolvenzverwalter Rolf Ratunde nicht gefunden; die anderen Berliner Fotohändler haben genug eigene Probleme und zeigen kein Interesse. Die Gläubigerversammlung soll am 9. Januar stattfinden; neben den Mitarbeitern haben auch Lieferanten und Vermieter noch Forderungen an Foto-Klinke. Ratunde schätzt, dass den Außenständen von maximal 1,5 Millionen Euro eine Insolvenzmasse von kaum 100 000 Euro gegenübersteht. Der Umsatz ist nach seinen Angaben von 10,5 Millionen Euro im Jahr 1999 auf 7,6 Millionen im vergangenen Jahr gesunken.

Zur allgemeinen Krise im Einzelhandel kommen für die Fotobranche Probleme, die mit der neuen Digitaltechnik zu tun haben. Wer einmal eine Digitalkamera gekauft habe, werde im Laden oft nie mehr gesehen, berichtet ein Mitarbeiter eines anderen Berliner Fotogeschäfts. „Die brauchen keine Filme, drucken sich ihre Bilder oft zu Hause aus oder bestellen Abzüge online über das Internet.“ Zwar bieten auch die Fachhändler und Ketten einen solchen Service an, was aber mit zusätzlichen Wegen verbunden ist. Hinzu komme, dass viele Hobbyfotografen eher am Fotografieren interessiert seien als an Schuhkartons voller Bilder oder an Regalen voller Alben.

Dass gerade der früher profitable Labor-Bereich schwächelt, trifft kleine Fachhändler besonders hart. Denn bei Kameras, Objektiven und Zubehör, so ist zu hören, sind schon seit längerer Zeit kaum noch Gewinne drin. „Die Kunden kommen und sagen: Bei Saturn oder im Internet bekomme ich die Kamera für 299 Euro.“ Damit würden kleinere Händler mit ihren geringeren Rabatten beim Großhandel gezwungen, Artikel ohne echten Profit zu verkaufen – „oder der Kunde kommt nie wieder und ordert in Zukunft alles online“. Besonders sauer stößt den Händlern auf, dass sich offenbar viele Kunden gerade bei so komplexen Produkten wie Digitalkameras im Fachgeschäft intensiv beraten lassen und dann doch im Internet kaufen.

Probleme gibt es auch mit dem Gebrauchtmarkt. Die Inzahlungnahme der alten Kamera war für viele Händler eine gute Möglichkeit, einen Kunden zu gewinnen. Doch seit die Händler auf gebrauchte Ware ein Jahr Gewährleistung geben müssen, „ist da auch nichts mehr zu machen“, sagt ein Mitarbeiter bei „Foto Braune“ in der Karl-Marx- Straße. „Wir können den Kunden keinen realistischen Inzahlungnahmepreis mehr anbieten. Also versteigern sie die Sachen bei Ebay und kaufen dort auch gleich die neue Kamera.“

„Irgendwann ist es bei uns wie in Amerika, da ist der Foto-Fachhandel so gut wie tot“, sagt ein anderer Händler. Denn neben Foto-Klinke hat auch Fix-Foto Insolvenz angemeldet und wird nun unter neuer Regie im Sparbetrieb weitergeführt. Auch andere Geschäfte kämpfen ums Überleben.

In der Branche gilt es als offenes Geheimnis, dass sich die britische Kingfisher-Gruppe schon lange von einem der noch verbleibenden traditionellen Berliner Fotohandels-Unternehmen trennen will: Wegert (mit Promarkt), so hört man, schreibt jedes Jahr Verluste in zweistelliger Millionenhöhe.

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