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Nach Angriff auf Kenianer : Solidaritätskundgebung vor Diskothek Q-Dorf

05.01.2013 00:00 Uhrvon
Flagge zeigen: Viele Mitglieder der kenianischen Gemeinde, in der Jimmy C. sich engagiert, kamen zur Kundgebung.Bild vergrößern
Flagge zeigen: Viele Mitglieder der kenianischen Gemeinde, in der Jimmy C. sich engagiert, kamen zur Kundgebung. - Foto: dpa

Nach einer mutmaßlich rassistischen Gewalttat, bei der ein 40-Jähriger krankenhausreif geprügelt wurde, haben rund 70 Menschen vor dem Q-Dorf demonstriert. Der Staatsschutz ermittelt. Inzwischen hat sich ein Zeuge gemeldet, weitere werden noch gesucht.

Demonstranten mit Fahnen und selbstgemalten Plakaten singen „Solidarity forever“, der Geschäftsführer der „Q-Dorf“ stimmt leise mit ein. In seiner Diskothek in Charlottenburg hat sich in der Nacht zu Montag mutmaßlich eine rassistisch motivierte Gewalttat ereignet. Rund siebzig Menschen haben sich deshalb an diesem Freitagnachmittag im Nieselregen zu einer Solidaritätskundgebung versammelt. Sie sind schockiert und traurig, dass es immer wieder zu rassistischen Überfällen kommt.

In der Nacht zu Montag wurde der Kenianer Jimmy C. in der Diskothek, in der er als Reinigungskraft im Toilettenbereich arbeitet, angegriffen. Nach eigener Schilderung attackierten ihn die Täter mit einer abgebrochenen Glasflasche im Gesicht, er erlitt schwere Verletzungen am rechten Auge.

Möglicherweise wird er halbseitig erblinden. Wegen des mutmaßlich rassistischen Hintergrundes der Tat hat der Staatsschutz des Landeskriminalamtes die Ermittlungen übernommen. Noch stehen die Beamten ganz am Anfang.

Immerhin: Ein Zeuge hat sich mittlerweile gemeldet, bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe konnte die Polizei aber noch nicht sagen, ob er zur Aufklärung beitragen kann. Möglicherweise könnten sichergestellte Bilder aus den Überwachungskameras im Q-Dorf den Ermittlern nutzen, falls Jimmy C. Verdächtige identifizieren kann.

Unter den Menschen, die am Freitag zusammenkommen, sind viele junge Berliner, die im Internet von der Kundgebung erfahren haben. Aber es sind auch Dauerdemonstranten wie der 52-jährige Jojo hier, der mit seinem bunt beklebten Wohnwagen, seinem „Protestmobil“, vorbeigekommen ist. Vor dem Q-Dorf haben sich außerdem viele Freunde von Jimmy C. eingefunden, Mitglieder der Kenianischen Kirchengemeinde Berlin, die er mitgegründet hat und in der er sich engagiert, zudem Bewohner des Flüchtlings-Protestcamps am Oranienplatz. Aus einem bunt beklebten Wohnmobil kommt afrikanische Trommelmusik. Auch der Bezirksbürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf, Reinhard Naumann, ist gekommen. „Rassismus hat keinen Platz in der City-West“, sagt er und fordert eine schnellstmögliche Aufklärung der Tat: „Es kann nicht sein, dass auf einer belebten Party niemand etwas bemerkt haben will.“

Zwei Mal musste Jimmy C. operiert werden, am Donnerstag konnte er die Klinik wieder verlassen. Der 40-Jährige engagiere sich seit langem im interkulturellen Verein „New Generation“, sagt dessen Vorsitzende Sonja Prinz, eine Freundin des Verletzten. Auf Drängen des Vereins habe am Donnerstag auch der kenianische Botschafter das Opfer besucht. Nach Prinz’ Angaben lockten die Täter C. in einen etwas abgelegenen Bereich und schlugen ihm eine Glasflasche ins Gesicht, die dann zersplitterte. Die Männer hätten ihn zu Boden getreten und als „dreckigen Ausländer“ beschimpft. Jimmy C. konnte demnach flüchten, die Täter entkamen.

Die Polizei sucht nach Zeugen und nimmt Hinweise unter Telefon 4664 953 128 sowie in jeder Polizeidienststelle entgegen.

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