Berlin : Nach dem Angriff: Scharfe Sicherheitsmaßnahmen

J. Hasselmann,F. Jansen

In Berlin sind die Sicherheitsmaßnahmen nach dem Beginn des militärischen Gegenschlags massiv verschärft worden. Besonders auf den Flughäfen und an den Botschaften der USA und Englands zogen mit Maschinenpistolen bewaffnete Polizisten auf. Um 21 Uhr 25 wurde der Flughafen Tegel abgesperrt, nachdem in der Haupthalle verdächtig aussehende Elektrogeräte entdeckt worden waren. Diese erwiesen sich jedoch als harmlose Handwerker-Utensilien, um 22 Uhr 15 wurde die Sperrung aufgehoben. In Bezirken mit vielen Arabern schickte die Polizei alle verfügbaren Beamten auf Streife. In Wedding und Neukölln wurde je eine Hundertschaft als "Eingreiftruppe" postiert, dort blieb die Lage aber ruhig. Kurz nach den ersten Meldungen begannen Rechtsextremisten eine Demonstration in Mitte. 60 NPD-Anhänger zogen zum U-Bahnhof Kochstraße.

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Fotostrecke: Militärschlag gegen das Taliban-Regime Wegen der Nazi-Demo verstärkte die Polizei die Bewachung der US-Botschaft in der Neustädtischen Kirchstraße noch zusätzlich, gegen 20.30 Uhr sicherte alleine ein Dutzend Beamte mit Maschinenpistolen die Ecke Neustädtische Kirchstraße/Unter den Linden vor dem Café Einstein. Alle Demonstrationen in der Nähe wurden verboten. Der Absperrkordon war schon direkt nach dem 11. September auf etwa 100 Meter um das Botschaftsgebäude ausgeweitet worden.

Linke Demonstranten trafen sich, wie angekündigt, auf dem Alex. Dort zündeten etwa 50 Menschen Kerzen an. Den Linken wurde von der Polizei erlaubt, für 15 Minuten die große Kreuzung an der Karl-Liebknecht-Straße als Zeichen des Protests zu "besetzen". Die Aktion verlief friedlich. Linke Gruppen hatten für den "Tag X" zu einer Kundgebung auf dem Alex mobilisiert.

Wichtiger für die Polizei war jedoch die ungewisse Lage unter der arabischen Bevölkerung. Mit der verstärkten Präsenz sollten "mögliche Resonanztaten bereits im Keim erstickt werden", sagte die Sprecherin der Innenverwaltung, Svenja Schröder-Lomb, am Sonntagabend. Der Innensenator rief die über 200 000 Muslime in Berlin auf, gemeinsam für den Frieden in der Stadt einzutreten.

Zu weiteren Details der Sicherheitsvorkehrungen wollten sich weder das Innenministerium noch die Innenverwaltung äußern. Bestätigt wurde lediglich, dass "besonderes Augenmerk auf die Sicherung der Flughäfen gelegt werde". Flüge wurden jedoch nicht gestrichen.

Es gebe bisher keinerlei konkrete Hinweise auf Reaktionen oder die Vorbereitung terroristischer Aktivitäten in der Hauptstadt, sagte Senatssprecher Lölhöffel: "Die Innenbehörde ist auf alles Denkbare vorbereitet." Am Montagmorgen kommen in Berlin alle Sicherheitsbehörden des Landes zusammen, um über die aktuelle Lage zu beraten. Anschließend wird Innensenator Körting in einer Sondersitzung der Senat unterrichten.

Kurz nach den Angriffen vom 11. September hatte die Polizei einen Einsatzplan für den Vergeltungsfall ausgearbeitet. Das geheime Stichwort zur Aktivierung wurde am Sonntagabend kurz nach den Angriffen auf Kabul ausgelöst. Das bedeutet, dass alle Spezialeinheiten der Polizei in Einsatz stehen. Sie haben die Aufgabe, so genannte neuralgische Punkte zu beobachten, wie zum Beispiel Moscheen in Bezirken mit hohem Bevölkerungsanteil von Muslimen, wie Kreuzberg, Neukölln und Wedding.

Die Spezialeinheiten waren sowohl mobil als auch stationär vor bestimmten, vorher festgelegten Objekten im Einsatz. Dabei waren Beamte der PMS (Politisch motivierte Straßengewalt), der OGJ (Operativgruppe Jugendgruppengewalt) und die "FAO",(Festnahme / Aufklärung / Observation), über die jede der sieben Polizeidirektionen verfügt. Auch Aufklärungseinheiten der Bereitschaftsabteilungen waren unterwegs, bei den Polizei-Abschnitten auch die Streifendienste VB (Verbrechensbekämpfung, je 10 bis 20 Leute pro Abschnitt). Außerdem wurde der Feierabend der Beamten, die am Sonntag regulär Dienst hatten, verschoben. Vor allen Firmen, Gebäuden und Botschaften von Ländern, die als gefährdet gelten, wurde die Bewachung verschärft.

Auch der Bundesgrenzschutz reagierte nach dem vorbereiteten Alarmplan. Die etwa 2200 Mann des Bundesgrenzschutzamtes Berlin wurden durch BGS-Angehörige aus Blumberg und Bad Düben verstärkt. Diese beiden Einheiten aus Brandenburg und Sachsen haben seit Jahren "Berlin-Erfahrung" und werden auch bei anderen Großlagen mit Sicherheitsstufe 1 gerufen. Die Bundeswehr hatte schon direkt nach dem 11. September die Bewachung und die Einlasskontrollen der Kasernen verschärft.

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