Nach dem Blitzeis : Berlin gewöhnt sich an den Winter

Die Stadt scheint gelernt zu haben aus den jahrelangen Debatten, wer wo fürs Schneeräumen zuständig ist: Es gibt weniger Beschwerden. Aber die Nebenstraßen bleiben glatt - und es wird noch kälter.

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Abgebürstet. Nicht auf allen Wegen funktioniert der Winterdienst. Aber die Änderungen im Straßenreinigungsgesetz zeigen Wirkung.
Abgebürstet. Nicht auf allen Wegen funktioniert der Winterdienst. Aber die Änderungen im Straßenreinigungsgesetz zeigen Wirkung.Foto: dpa

Diesmal ist Berlin wirklich nicht Haiti. Erstens, weil es dort nie so kalt ist. Und zweitens, weil nach dem Blitzeis nun wieder einigermaßen geordnete Verhältnisse herrschen. „Heute ist alles wieder normal“, hieß es bei der Feuerwehr nach zwei Tagen Ausnahmezustand. „Wir konnten unsere Rettungseinsätze im ganz normalen Tagesgeschäft abarbeiten.“ Auch bei der Polizei hieß es, dass die Unfallzahlen nicht mehr auffällig hoch seien – trotz glatter Nebenstraßen.

Offenbar funktionieren – von Ausnahmen abgesehen – viele Winterdienste besser als in früheren Jahren, seit sie ihre Ressourcen aufgestockt haben. Die für die meisten Anlieger damit verbundenen, teils drastischen Kostenerhöhungen, scheinen zumindest gut investiert. „Meine Erfahrung seit dem letzten Winter ist, dass es durch das neue Straßenreinigungsgesetz wirklich deutlich besser geworden ist und dass es weniger Beschwerden gibt“, sagt Marc Schulte (SPD), Ordnungsstadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf. „Da hat es sehr gute und vernünftige Präzisierungen gegeben.“ Als ein Beispiel nennt Schulte die Formulierung, wonach Glätte nicht mehr nur „bekämpft“, sondern „beseitigt“ werden muss: „Kämpfe kann man verlieren, aber beseitigen ist – beseitigen.“ Anders als in früheren Wintern gebe es auch nicht länger den Wirrwarr von Zuständigkeiten für bestimmte Bereiche. So sei jetzt klar, dass die BSR sich um alle Haltestellen der BVG sowie um prominente Plätze und Fußgängerzonen wie Breitscheidplatz, Alex und Wilmersdorfer Straße kümmern müsse. Sogenannte Ersatzvornahmen, also kostenpflichtige Einsätze der BSR auf Gehwegen, habe das Ordnungsamt im Bezirk bisher nicht veranlassen müssen. „Mündliche Mitteilungen“ an die verantwortlichen Anlieger oder Hausverwaltungen hätten gereicht.

Wintereinbruch in Berlin
Berliner Winter und Sonnenschein. So schön sieht der Britzer Garten im Schnee aus. Auch wenn es gerade schon wieder taut: Schicken auch Sie uns Ihre Berliner Winterbilder der letzten (oder hoffentlich noch kommenden) Tage an leserbilder@tagesspiegel.de!Weitere Bilder anzeigen
1 von 97Foto: Bernhard Huhn
04.02.2014 12:16Berliner Winter und Sonnenschein. So schön sieht der Britzer Garten im Schnee aus. Auch wenn es gerade schon wieder taut: Schicken...

In Pankow berichtet Ordnungsstadtrat Torsten Kühne von bisher 28 Beschwerden „inklusive Nachfragen zu Zuständigkeiten und Lärmbeschwerden über zu lauten Winterdienst“. Bei sieben daraufhin veranlassten Kontrollen seien zwei Anzeigen geschrieben worden und zwei zwischenzeitlich korrekt geräumte Gehwege vorgefunden worden. Zwei Fälle seien noch in Bearbeitung und ein dritter an die zuständige Sachbearbeiterin delegiert worden – weil es sich um ein landeseigenes Grundstück gehandelt habe. Stadtweit sind bei der Stadtreinigung bisher gut 30 „Ersatzvornahmen“ auf Gehwegen veranlasst worden, sagt BSR-Sprecher Sebastian Harnisch.

Tags zuvor hatte ein Meteorologe die BSR kritisiert, weil sie Montag früh erst bei Einsetzen des Glatteises losgelegt habe und nicht schon vorher. Der Eisregen sei „deutlich früher eingetroffen, als er prognostiziert worden war“, sagt Harnisch. „Dadurch konnte nicht überall so präventiv gestreut werden, wie wir das vorhatten.“ Tatsächlich hatten Wetterdienste das Glatteis erst für den Abend erwartet. Während das Hauptstraßennetz längst eisfrei ist, bleibt die Glätte in den Nebenstraßen wohl erhalten: Die BSR darf dort nicht streuen, sofern es nicht gerade einen Wasserrohrbruch gab. Und für die Schneepflüge ist die weiße Schicht mit knapp drei Zentimetern einfach zu dünn. Normalerweise arbeitet die BSR erst die Straßen der sogenannten Einsatzstufe 1 ab. Das ist laut Harnisch je nach Wetter und Verkehrslage in zwei bis drei Stunden zu schaffen. Danach werde – theoretisch – die Einsatzstufe 2, also das Nebenstraßennetz, in Angriff genommen.

Wer auf den Schlitten umsteigen will, muss sich gedulden: Nur vereinzelten Schneegriesel und vielleicht in der Nacht zu Freitag ein paar Flocken erwartet der Wetterdienst Meteogroup. Berlin bleibe auf der kalten und trockenen Seite der Luftmassengrenze, die sich diagonal über Deutschland zieht. Bis zum Wochenende soll es von Tag zu Tag sonniger werden – und kälter: Am Samstag und Sonntag seien tagsüber nur noch etwa minus sieben Grad drin, nachts sogar zweistellige Frostgrade. Montag wird es etwas milder.

Info: Warum Privatleute nicht mit Salz streuen dürfen und die BSR es trotzdem verwendet, lesen Sie hier.

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