Berlin : Nach dem Genua-Gipfel: Gesprühter Protest

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Freiheit für Viktor A." steht seit Sonnabend früh am Fuß der Siegessäule in Tiergarten. Gut 80 Zentimeter hoch sind die Buchstaben, die Sympathisanten des in Italien inhaftierten Globalisierungsgegners sowohl an der Ost- als auch an der Westseite des insgesamt 69 Meter hohen Denkmals mit reflektierender Farbe auf den polierten, roten Granit gesprüht haben. Auch an anderen Stellen in der Stadt ist diese Forderung bereits zu lesen. Viktor A. ist einer von insgesamt sechs Berliner Demonstranten gegen den EU-Gipfel in Genua, die noch in Italien in Untersuchungshaft sitzen. Sachbeschädigung wirft ihm die italienische Justiz vor; den genauen, der Inhaftierung zugrunde liegenden Sachverhalt, kennt auch der Staatsschutz der Berliner Polizei nicht: "Wir haben keine direkte Verbindung zur Justiz in Italien", sagte dessen Leiter, Peter Häberer. Alle Kontakte zu den inhaftierten Deutschen liefen über das Auswärtige Amt. Der aus Weißensee stammende Viktor A. ist kein gänzlich unbeschriebenes Blatt. Wegen Sachbeschädigung auf der umstrittenen Wehrmachtsausstellung bekam er es schon einmal mit der Polizei zu tun. An der aufgesprühten Forderung störte sich ein 51-jähriger Mann aus Neukölln. Er wollte Montag früh den Schriftzug in Eigeninitiative entfernen, scheiterte aber an der Polizei. "Bewaffnet" mit Putzlappen und Farbverdünner hatte der 51-Jährige gegen 4 Uhr vergeblich versucht, die Schrift abzuwischen. Er sehe es als "Sauerei an", wenn derartige Denkmale beschmiert werden, sagte er gegenüber der Besatzung eines Funkstreifenwagens. Dieser war von Nachtschwärmern gerufen worden, weil die Passanten zunächst glaubten, es mache sich erneut ein Farbschmierer am Sockel der Siegessäule zu schaffen.

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