Nach dem geplatzten Verkauf : Wohnungsgesellschaften an BIH-Immobilien interessiert

Landeseigene Unternehmen zeigen sich bereit, 13 500 Wohnungen aus den Fonds der Berliner Immobilien Holding zu übernehmen. Sie könnten dazu beitragen, den Preisanstieg zu dämpfen.

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Mehrere landeseigene Wohnungsbaugesellschaften sind bereit, eine Übernahme von Wohnungen aus den Fonds der Berliner Immobilien Holding (BIH) zu prüfen. Dies zählt zu den Ergebnissen eines von Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD) kurzfristig einberufenen Gesprächs mit allen Geschäftsführern und Vorständen der Unternehmen vor etwa zwei Wochen. Die Herauslösung der Wohnungen aus den Fonds könnte eine Option sein, nachdem der von Nußbaum betriebene Verkauf aller Fonds an den Britischen Investor Altyon geplatzt ist.

„Wenn die Konditionen stimmen, sind mehrere Gesellschaften zur Übernahme von Wohnungen bereit“, heißt es aus dem Umfeld der Unternehmen. Dort ist aber auch zu hören, dass eine Absicherung vor den Risiken nötig sei, die auf den Immobilien lasten. Auch für die 13 500 Berliner Wohnungen aus den Fonds gelten Garantien, von denen die Anleger profitieren. Die meisten von ihnen sind zwar inzwischen „herausgekauft“, sodass das Land bereits 90 Prozent aller Fondsanteile kontrolliert. Die verbliebenen Anleger können bei dem Geschäft aber auch noch mitreden.

Bei der Senatsverwaltung für Finanzen hieß es auf Anfrage: „Wir werden jetzt intensiv auch mit den Wohnungspolitikern zusammen an einem Konzept arbeiten, das die Frage der Berliner Wohnungen betrifft“. Man müsse sich darauf konzentrieren, die Anteile zu erwerben, um wohnungspolitisch gestalten zu können.

Aber auch schon in der Vergangenheit war es zu Verkäufen von Immobilien aus den Fonds gekommen. „Solange es im wirtschaftlichen Interesse des Fonds geschieht, müssen die Geschäftsführer dazu auch nicht die Zustimmung aller Anleger einholen“, sagte Daniel Buchholz, Stadtentwicklungsexperte der SPD. Die BIH-Wohnhäuser befänden sich zum Teil in gefragten Berliner Lagen. Nun müsse zügig durch eine „wohnungswirtschaftliche Bewertung“ geprüft werden, ob diese Bestände eingesetzt werden können, um den Druck auf dem Wohnungsmarkt zu dämpfen.

Zurzeit sind die Berliner Wohnungen der BIH-Fonds gut vermietet: Nur 2,2 Prozent stehen leer. Das ist deutlich weniger als im Berliner Durchschnitt: Stadtweit beträgt die Leerstandsquote laut Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen 3,8 Prozent. Die meisten BIH-Häuser stehen in Marzahn-Hellersdorf (5700 Wohnungen), Pankow (2000) und Spandau (1600). Auch in Mitte (1500 Wohnungen), Treptow (1000), Lichtenberg (900) und Neukölln (900) gibt es größere Bestände.

Der Geschäftsführer des Mietervereins Reiner Wild fordert: „Nach dem GAU beim BIH-Verkauf, müssen die Bestandteile der Fonds rasch gekauft werden, um auch in diesen Beständen die Ziele städtischer Wohnungspolitik durchzusetzen.“ Andreas Otto, wohnungspolitischer Sprecher der Grünen, sieht dagegen eine andere finanzpolitisch günstigere Lösung zur Entspannung des Wohnungsmarktes: Das Land müsse die früher subventionierten Sozialbauwohnungen zurückkaufen – viele Eigentümer sind seit der Streichung der Anschlussförderung insolvent.

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