Nach dem Hungerstreik : Jubel, Tränen und der letzte Krankenwagen

Die Flüchtlinge haben ihren Hungerstreik vor dem Brandenburger Tor abgebrochen. Unsere Reporterin Sandra Dassler berichtet von bewegenden Szenen vor Ort.

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Am Samstagabend brachen die Flüchtlinge den Hungerstreik ab. Foto: Sandra Dassler
Am Samstagabend brachen die Flüchtlinge den Hungerstreik ab.Foto: Sandra Dassler

Am Ende muss doch noch einmal der Rettungswagen kommen. Dabei ist der Hunger- und Durststreik vor dem Brandenburger Tor gerade abgebrochen worden. Minutenlang haben die Flüchtlinge, die seit elf Tagen hier ausharren, gejubelt. Zwar kann ihnen niemand das Bleiberecht zusichern, aber die SPD-Senatorin Dilek Kolat und der SPD-Bundestagsabgeordnete Rüdiger Veit wollen ihre Forderungen nach einer besseren, gerechteren Flüchtlingspolitik aufnehmen und durchsetzen helfen.

Die Flüchtlinge feiern das als Sieg, ballen die Fäuste in die Luft, fallen sich gegenseitig in die Arme, lachen, weinen – aber wahrscheinlich ist es auch die Erschöpfung. Der letzte Rettungswagen-Einsatz gilt einem jungen Mann, der nicht mal mehr den ersten Schluck Wasser bei sich behalten kann und Probleme hat, sich zu orientieren. „Er braucht Hilfe“, sagt eine Medizinstudentin, die hier freiwillig arbeitet. Andere Flüchtlinge stützen den Mann, helfen ihm auf – „Bitte, bitte“, sagt eine Frau, „Bitte nicht jetzt doch noch ein Opfer.“ Eine andere Frau beginnt leise „We shall overcome“ zu singen. Viele Touristen, die das schön beleuchtete Brandenburger Tor besuchen, schauen verständnislos.

Einige Flüchtlinge bedanken sich bei der Senatorin, andere weinen, die Dunkelheit verbirgt viele Tränen. Zwischen ihnen steht der migrationspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rüdiger Veit. Er hat gemeinsam mit Kolat den Kompromiss ausgehandelt, er hat auch die Kirchengemeinde gefunden, zu der die Flüchtlinge jetzt erst mal fahren. Veit hat seinen Wahlkreis in Gießen, ist gerade erst wieder nach Berlin gekommen. „Aber ich kann nicht einfach in meinem Büro sitzen, wenn ein paar hundert Meter weiter Menschen in solcher Not sind“, sagt er.


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