Berlin : Nach dem Krieg: Böse sind sie sich schon seit 50 Jahren nicht mehr

Lars von Törne

"Versöhnung?" Colonel Howard Baugh schaut den Frager überrascht an. Nein, das sei nicht das Ziel dieser Begegnung. "Versöhnung ist heute wirklich nicht mehr nötig", sagt der grauhaarige Herr bestimmt. "Wir haben doch schon seit 50 Jahren keine Feindseligkeiten mehr zwischen uns. Als der Krieg zu Ende war, da war er zu Ende." Der 81-jährige Schwarze war am Montagabend auf Einladung der Checkpoint-Charlie-Stiftung und der Army Aviation Association of America im Amerika-Haus zu Gast. Dort sollte er zum Abschluss einer zweiwöchigen Deutschlandreise mit seinen Gegnern von damals diskutieren. Wer unterschiedliche Positionen oder gar eine Kontroverse erwartet hatte, wurde allerdings enttäuscht.

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Von Gram auf den ehemaligen Gegner ist bei Baugh nichts zu spüren. Freundlich blickt er zu dem ehemaligen Luftwaffen-Piloten Hans-Joachim Werner hinüber, der neben ihm auf dem Podium sitzt. Die beiden hatten sich am Nachmittag schon bei einem Empfang für Baugh und ein Dutzend ehemaliger deutscher Luftwaffenpiloten getroffen. "Die deutschen Soldaten haben doch damals das Gleiche gemacht wie wir", sagt Baugh: "Sie kämpften für ihr Land, weil sie keine andere Wahl hatten. Es gibt keinen Grund, ihnen heute noch böse zu sein." Die beiden alten Herren nicken einander freundlich zu. Man versteht sich offenbar.

Zuvor hatte Baugh ausführlich über seine Zeit bei den Tuskegee-Jagdfliegern gesprochen, einer Einheit, die ausschließlich aus Schwarzen bestand. Das war 1943 in den Vereinigten Staaten ein umstrittenes Novum, wie er sagt. Er erzählte vom damals alltäglichen Rassismus in den USA, von Einsätzen in Nordafrika und Italien und von der langsamen Anerkennung von Schwarzen in der US-Gesellschaft. Der für diesen Abend vorgesehene Dialog geriet dabei flugs zum langen Monolog. Die beiden Moderatoren blieben passiv und versuchten gar nicht erst, ein Zwiegespräch zwischen Baugh und seinem deutschen Gegenpart Werner anzuregen. Dem blieb am Schluss nur, kurz zu erzählen, wie er abgeschossen wurde und in britische Kriegsgefangenschaft geriet. Dann war der Abend schon vorbei.

Allzu enttäuscht über den ausgebliebenen Dialog war Colonel Baugh allerdings nicht. Auch beim nachmittäglichen Empfang habe er sich kaum mit den ehemaligen deutschen Piloten unterhalten. Nicht aus Desinteresse, wie er betont: "Erstens verstehe ich kein Deutsch, zweitens sprechen die Deutschen kaum Englisch - und drittens höre ich schlecht."

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