Berlin : Nach dem Machtwechsel: Senat will schnelles Ende für Flughafen Tempelhof

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Der neue rot-grüne Senat will den von der Flughafengesellschaft Anfang 1998 eingereichten Schließungsantrag für den Flughafen Tempelhof jetzt zügig umsetzen. Der Flugbetrieb soll, wie ursprünglich vereinbart, eingestellt werden, sobald die Genehmigung für den Ausbau Schönefelds zum Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) rechtskräftig ist. Nach derzeitigem Planungsstand soll das Bundesverwaltungsgericht in dem erwarteten Verfahren seinen Beschluss 2003 fassen. Am Ausbauplan für Schönefeld will der SPD-Grüne-Senat dagegen nicht rütteln.

Zum Thema Online Spezial: Machtwechsel in Berlin Die Flughafengesellschaft, die die Schließung Tempelhofs einst selbst vorangetrieben hatte, will den Flugbetrieb inzwischen bis zur BBI-Inbetriebnahme aufrechterhalten, die Ende 2007 geplant ist. Der Schließungsantrag war aber nicht zurückgezogen worden, weil der förmliche Beschluss der Gesellschafter - Berlin, Brandenburg, Bund - noch ausstand. Er ruhte nur stillschweigend.

Dem Vernehmen nach wollten die drei am 8. Juni den Schließungsantrag zurückziehen, auf den sie sich im Mai 1996 bei der BBI-Standortentscheidung für Schönefeld geeinigt hatten. Wenige Tage vor der Parlamentssitzung zur Abwahl des Regierenden Bürgermeisters Eberhard Diepgen wurde die Entscheidung aber verschoben. Diepgen hatte sich stets für ein Offenhalten von Tempelhof eingesetzt - bis zur BBI-Eröffnung als Linienflughafen, danach als Landebahn für Privat-und Geschäftsflugzeuge.

Im März hatte die Lufthansa, die Tempelhof bereits verlassen hatte, einen Teil ihrer Flüge wieder von Tegel nach Tempelhof verlagert, um in Tegel Platz für ihre größeren Maschinen zu schaffen. Vor der BBI-Eröffnung nach Schönefeld ziehen, wo derzeit die Kapazität von 4,5 Millionen Passagieren im Jahr nicht einmal zur Hälfte ausgelastet ist, will die Lufthansa ebenso wenig wie die meisten anderen Fluggesellschaften. Rechtlich umstritten ist, ob Gesellschaften zum Umzug gezwungen werden können.

Unabhängig davon fordern die Gesellschaften mit Lufthansa an der Spitze, Tempelhof bis zur BBI-Eröffnung offen zu halten, weil die Kapazität bei wachsendem Verkehr sonst nicht bis zur BBI-Eröffnung reiche. Im vergangenen Monat ging die Zahl der Passagiere auf den drei Flughäfen um 8,3 Prozent gegenüber Mai 2000 zurück - bedingt allerdings nach Angaben der Flughafengesellschaft durch den Lufthansa-Streik und den Rückzug von Britannia Airways aus dem Ferienflugverkehr.

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