Berlin : Nach dem Synagogenanschlag: Jüdische Gemeinde verlangt mehr Sicherheit

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Innensenator Eckart Werthebach (CDU) und der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Andreas Nachama, haben sich nach dem neuerlichen Zwischenfall in einer Synagoge der Stadt zu einem Gespräch getroffen. Bei dem Gespräch am Mittwoch soll es auch um den Schutz der jüdischen Einrichtungen in Berlin nach dem Brandanschlag auf die Düsseldorfer Synagoge gegangen sein. An dem Treffen nahm auch Polizeipräsident Hagen Saberschinsky teil.

Der Vorsitzende der größten Jüdischen Gemeinde Deutschlands hatte zuvor die Landesregierung zum schnellen Handeln aufgefordert. Als Beispiel verwies Nachama auf eine Äußerung von CDU-Fraktionschef Klaus Landowsky, derzufolge rechtsextremistische Gewalttaten härter bestraft werden müssten. Er frage sich nun, wo eine entsprechende Bundesratsinitiative Berlins bleibe.

Außerdem könne er sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Berliner Polizei rechtsextreme Anschläge herunterspiele, betonte Nachama. Wenn schon kurz nach einer Tat erklärt werde, dass kein politischer Hintergrund erkennbar sei, laufe dies auf eine Bagatellisierung hinaus. Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde reagierte damit auf einen Zwischenfall in der Synagoge Rykestraße in Prenzlauer Berg, bei dem am Sonnabend zwei unbekleidete Männer einen Gottesdienst stören wollten.

Buch in Synagoge angezündet

Ein weiterer Vorfall vom Dienstagabend, den die Polizei gestern bekannt machte, wurde dagegen von einem Mitglied der Jüdischen Gemeinde verursacht: In der Charlottenburger Synagoge an der Joachimstaler Straße entzündete der 34-jährige Aserbaidschaner beim Gebet ein Buch. Anwesende überwältigen ihn. Dabei erlitt der 53-jährige Kantor eine Risswunde an der linken Hand.

Der Aserbaidschaner "gilt als geistig verwirrt", sagte Andreas Nachama dem Tagesspiegel. Er selbst kenne ihn allerdings nicht. Der Mann habe zunächst Flugblätter mit dem Satz "Gott ist der Feind Israels" verteilt. Gegen ihn sei Anzeige erstattet worden. Über die Konsequenzen innerhalb der Gemeinde müsse noch beraten werden. Der 34-Jährige sei "wohl ein Fall für einen Sozialarbeiter".

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