Berlin : Nach dem Terror: Berlin will wieder Bunker bauen

Tobias Arbinger

Das Land Berlin will den Zivil- und Katastrophenschutz ausbauen. Das ist eine Konsequenz aus den Terroranschlägen vom 11. September und die wachsende Bedrohung. Geplant ist unter anderem die Modernisierung von Schutzräumen, die seit nach dem Ende des Kalten Krieges vernachlässigt wurden. Im Gespräch sind ferner zentrale Arzneimittellager, Notbrunnen, einen verstärkten Selbstschutz der Bevölkerung und die Ausstattung der Rettungsdienste mit Spezialgerät. "Der Bund prüft die Neuorganisation des Zivilschutzes", sagte gestern René Du Bois von der Innenverwaltung. Entsprechende Informationen wurden gestern im Rat der Bürgermeister (RDB) bekannt gegeben.

Bereits am 18. September hatte der Senat erste Maßnahmen ergriffen. Für 13 Millionen Mark sollen unter anderem Vollschutzanzüge für Polizei und Feuerwehr, Funkgeräte, Schutzwesten, neue Einsatzfahrzeuge, freie Mitarbeiter des Verfassungsschutzes und die Unterstützung der Polizei aus anderen Bundesländern bezahlt werden.

Neue Sicherheitsvorkehrungen sollen mit Mitteln des Bundes finanziert werden, der für den Zivilschutz im Verteidigungsfall zuständig ist. Das Land erhofft sich dadurch positive Effekte auch für den Katastrophenschutz - der ist Landessache. Als Katastrophe gelten Flugzeugabstürze, Fabrikexplosionen oder Milzbranderreger. Konkret würden die Bestände an Spezialfahrzeugen der Hilfsdienste, zum Beispiel Löschwagen, Feldküchen und so genannte Dekontaminationswagen "erneuert und die Beschaffung forciert", sagte Du Bois. Vor drei Wochen habe die Feuerwehr die ersten sechs neuen "ABC-Erkundungsfahrzeuge" erhalten, Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz oder die Malteser sollen bald sechs weitere bekommen.

Du Bois schließt nicht aus, dass es künftig mehr Geld für die Zivilschutzbunker der Stadt geben wird, "um sie zu erhalten oder auch um neue bereitzustellen." Derzeit finden 30 000 Berliner einen Platz im Bunker. Über neue "Trinkwassernotbrunnen" in der Stadt - bisweilen zum Autowaschen missbraucht - machen sich Fachleute ebenso Gedanken wie über den Selbstschutz der Bevölkerung. Das heiße, dass in Krisen, bei Wasser- und Stromausfällen, beispielsweise Merkblätter mit Tipps ausgeteilt werden, wie sich der Bürger verhalten sollte.

Katastrophenschützer empfehlen, sich "ein Minimum an Notration" anzulegen sowie Kerzen im Schrank zu haben. Im Gespräch sei, zentrale "Sanitär- und Arzneimittellager" wieder einzurichten, sagte Du Bois. Derzeit halten Krankenhäuser und Apotheken größere Bestände parat. Ob sie für Katastrophen reichen, bei denen mehrere Tausend Portionen Antibiotika gebraucht würden, hält eine Expertin für fraglich. Bereits in Betrieb sei ein satellitengestütztes Alarmsystem des Bundes, mit dem Rundfunkanstalten und Landesinnenministerien mit Meldungen versorgt werden können. Mobile Hilfskrankenhäuser seien in der Stadt wegen der hohen Klinikdichte allerdings kein Thema, sagte Du Bois. Wie viel Geld der Bund bereitstellt, konnte er gestern nicht sagen.

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