Nach dem Umzug von Familie D. : Noch immer campieren Roma im Park

Familie D. hat seit Mittwoch wieder ein Dach über dem Kopf. und Frau D. hat versprochen, keine weiteren Personen bei sich einzuquartieren. Bisher scheint sie ihr Wort zu halten. Denn noch immer sind einige Roma im Görlitzer Park.

von
Bettenlager im Görlitzer Park.
Bettenlager im Görlitzer Park.Foto: Paul Zinken

„Die sollen hier weg, hier stinkt es“, schimpft ein Mann und stößt eine breite Matratze von der Rampe. Die Matratze landet auf einem der drei bunten Dreiräder am Boden. Auch eine Babytragetasche und ein Kinderwagen stehen da, auf der Rampe picken Spatzen Brot und Essensreste von Plastiktellern.

Nach dem „Umzug“ der rumänischen Familie D. aus dem Görlitzer Park nach Alt-Mariendorf campieren offenbar immer noch einige Roma im Park. Anwohner berichten, die Polizei oder das Ordnungsamt habe am Donnerstagmorgen mehrere Menschen aufgefordert, sich zu entfernen, die offenbar in der Nacht auf einem Matratzenlager gleich neben dem Café Edelweiß campierten.

Sowohl die Polizei als auch das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg dementieren das jedoch. „Wir könnten nur aufgrund eines Amtshilfeersuchens des Bezirksamts tätig werden“, sagte ein Polizeisprecher. Davon sei ihm nichts bekannt. Am Donnerstag habe lediglich eine Streife den Ort begutachtet sowie ein Gespräch mit Anwohnern geführt.

Freude bei Familie D. in Alt-Mariendorf.
Freude bei Familie D. in Alt-Mariendorf.Foto: dpa

Jugendstadträtin Monika Herrmann (Grüne) sagte, dass die Absprachen im Bezirksamt anders lauteten: „Wir wollen nicht räumen, sondern abwarten, bis für die noch verbliebene Familie auch eine Wohnung gefunden ist.“ Wie berichtet, hatten mehrere Roma-Familien in den vergangenen Wochen im Görlitzer Park campiert, unter ihnen auch ehemalige Bewohner der Genthiner Straße. Nachdem sich andere Mieter dort über unzumutbare hygienische Zustände und permanenten nächtlichen Lärm beschwert hatten, war den Familien Anfang August vom Vermieter, Humanitas-Hilfe e.V. aus Teltow, gekündigt worden. Humanitas-Chef Lutz Thinius hatte am Mittwoch eine Familie mit fünf Kindern in eine andere Wohnung gebracht.

Neben den so genannten Saisonarbeitern kommen immer mehr Roma, die in Berlin bleiben möchten. Sie werden nicht gesondert erfasst und ihre Zahl ist schwer zu schätzen, aber einige Tausend dürften es auf jeden Fall sein.

22 Kommentare

Neuester Kommentar