Nach dem Urteil gegen Alexey Nawalny : Wie Internetnutzer in Russland reagieren

Die Verurteilung des führenden russischen Oppositionellen Alexey Nawalny führt bei vielen russischen Internetnutzern zu wütenden Reaktionen.

Indira Valeeva
Der Verurteilte Alexey Nawalny
Der Verurteilte Alexey NawalnyFoto: dpa

Russische Internetnutzer hatten sich schon seit einigen Tagen auf eine Verurteilung des Kremlgegners Alexey Nawalny gefasst gemacht. Nawalny selber bezeichnete die Vorwürfe und die Verurteilung zu fünf Jahren Straflager als politische Inszenierung. Viele russische Internetnutzer haben den Prozess mit dem Buch von Franz Kafka verglichen.

Viele auch haben bei Facebook oder Twitter gewettet, zu wie vielen Jahren Nawalny verurteilt wird und ob er eine Bewährung oder eine Haftstrafe bekommt. Die Meisten haben das nicht ernst gemeint. Für viele blieb es bis Donnerstagmorgen nur ein Show, das man im Internet beobachten kann.

Im populärsten russischen sozialen Netzwerk „Vkontakte“ wurden innerhalb einer Stunde 480 000 Nachrichten über Nawalny veröffentlicht, berichtet die Nachrichtenagentur Ria Novosti. 

„Solche Popularität kann man nur mit Silvester oder Frauentag vergleichen“, zitiert Ria Novosti den Pressesprecher des Netzwerks, Georgy Lobushkin. 

Viele haben in „Vkontakte“, Facebook oder Twitter geschrieben: „Ich glaube das nicht“.

„Ich war sehr aufgeregt, die Worte der Wut, der Angst, und vor allem die Worte des Wunders zu lesen, mit denen mein Freund-Feed voll ist. Es ist natürlich gut, dass heute auf den Manege-Platz wahrscheinlich viele Menschen kommen, aber noch wichtiger ist, was falsch ist: Wir haben noch nicht gelernt, zu hören, was uns in Russisch seit eineinhalb Jahren gesagt wurde. Die Regierung sagt mit den Wörtern  des Präsidenten, der Staatsanwälte, der Abgeordneten, dass sie dumm und böse ist und vor nichts Halt machen wird. Es gibt genug Wunder, es ist die Zeit zu glauben“, schreibt Masha Gessen, russisch-amerikanische Journalistin und Schriftstellerin.

Eine Stunde vor der Kundgebung auf dem Manege-Platz im Zentrum Moskaus haben sich Zehntausende Facebook angemeldet, dass sie kommen werden. Viele schreiben, dass sie zu ersten Mal zu einer Kundgebung kommen, weil sie vorher Angst hatten, von der Polizei festgenommen zu werden, jetzt aber nicht mehr. Viele schreiben, dass Russland jetzt an einem Punkt steht, wo kein Weg zurück führt.
„Jetzt kann jeder für Straflager verurteilt werden“, schreibt einer auf seiner Facebook-Seite.
Die Menschen sehen auch viele andere Folgen der Verurteilung. Viele schreiben, dass Nawalny nie mehr an politischen Wahlen teilnehmen darf. Einige schreiben, dass es eine Tragöde für Russland ist, weil er der einzige Mensch war, der etwas hätte ändern können. Andere schreiben, dass die Verurteilung zur Revolution führen wird. Nur Nawalny versucht noch zu scherzen. 
„Langweilen Sie sich ohne mich nicht. Aber vor allem: bleibt nicht untätig, die Kröte kommt nicht von allein vom Ölrohr runter“, schreibt Nawalny über seine Gegner. Aber niemand weiß, ob jemand außer ihm den Mut hat, Putin vom Sockel zu stoßen, oder ob es wieder nur eine „Online-Revolution“ bleibt.

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