NACH DEM VOLKSENTSCHEID : Luftbrücke Hollywood-Tempelhof

Die Initiatoren wollen nicht aufgeben, andere planen schon die Zukunft des Flughafens. Filmstudios Babelsberg wollen Hangars nutzen und US-Produzenten anlocken

Sabine Schicketanz

Die Babelsberger Studios wollen den Flughafen Tempelhof zu einem hochkarätigen Filmstandort entwickeln, nachdem sein Aus durch den gescheiterten Volksentscheid in Berlin besiegelt ist. Der Vorstandschef der Studio Babelsberg AG, Carl Woebcken, bekräftigte den ernsthaften Willen seines Unternehmens, das Airport-Areal zum dritten Filmstandort der Hauptstadtregion neben Babelsberg und Adlershof zu entwickeln. Man halte an den Investitionsplänen fest, die bereits im November 2006 eingereicht worden seien, sagte Woebcken dieser Zeitung: „Wir stehen parat.“

Das Studio will wie berichtet Flugzeug-Hangars in Tempelhof zu Filmateliers umbauen, da das Babelsberger Gelände bereits zu klein werde. Zugleich soll auf dem Areal Europas größter Requisiten- und Kostümfundus entstehen. Dafür soll der Babelsberger Fundus, der bisher in gemieteten Lagerhallen untergebracht ist, nach Tempelhof ziehen. Gleichzeitig habe das Studio Gespräche mit zwei weiteren Fundus geführt, die ebenfalls auf den Noch-Flughafen gebracht würden. Außerdem planten die Studios in Tempelhof eine „Begegnungsstätte für die Bevölkerung“, die der Tradition gerecht werde, sagte Woebcken.

Seit November 2006 liegt das Betreiberkonzept der Studioeigner dem Bundesfinanzministerium und der Bundesimmobilienanstalt vor. Danach sollen zwischen 20 und 30 Prozent des insgesamt 386 Hektar großen Flughafenareals für Filmproduktionen genutzt werden. Zwei ehemalige Hangars würden zu Filmateliers umgebaut werden und rund 15 000 Quadratmeter Platz bieten. Vorbild sind zwei ehemalige Lokomotivfabrik-Hallen in Potsdam mit nahezu identischer Größe, die Studio Babelsberg 2006 mit Millionenaufwand zu Ateliers umgebaut hatte. Ein dritter Hangar in Tempelhof solle als sogenannte „Vorbauhalle“ für den Kulissenbau genutzt werden, sagte Woebcken. Die Infrastruktur sei ideal. Denn die Büros, die für große Filmproduktionen nötig seien, liegen direkt hinter den Hangars. Forcieren würden Woebcken und Fisser laut ihrem Konzept außerdem die Ansiedlung von Filmproduzenten aus London und Hollywood in Tempelhof. Einige große US-Filmstudios hätten zwar Büros in Deutschland, jedoch keine Produktionsniederlassungen. Tempelhof sei dafür der ideale Standort. „Jeder Ami kennt den Flughafen“, sagte Woebcken. Die Geschichte und der Mythos Tempelhof sei, ähnlich wie beim Traditionsstandort Babelsberg, ein gewichtiges Argument.

Nach dem Konzept der Studio-Chefs blieben weite Teile des Flughafenareals der Öffentlichkeit zugänglich. Vorgesehen sei eine „Begegnungsstätte für die Bevölkerung“, die der Kultur und Tradition von Tempelhof Rechnung trage, sagte Woebcken. Dies wolle auch die Berliner Bauverwaltung. Weitere Details wollte Woebcken dazu nicht nennen. Er verwies aber auf die Erfahrungen seines Babelsberger Co-Chefs Christoph Fisser, der in München vier Kasernenkomplexe zu einem Medien- und Kreativzentrum ausgebaut habe.

Mit einer Übernahme des Flughafens Tempelhof würden die Filmstudios auch die Kapazitätsprobleme am Standort Babelsberg lösen. „Wir haben Wachstumspläne“, sagte Woebcken. Das Studio, in dem 2007 zwölf internationale und nationale Kinofilme produziert wurden, wolle sein Produktionsvolumen weiter erhöhen. Dazu würden neue Filmateliers benötigt, für die im dicht besiedelten Babelsberg jedoch kein Platz sei. Im vergangenen Jahr habe man bereits zusätzliche Hallen mieten müssen, was nicht rentabel sei.

Woebcken und Fisser hatten Studio Babelsberg 2001 vom französischen Konzern Vivendi für einen symbolischen Euro gekauft und ein knappes Jahr später an die Börse gebracht. Für 2007 rechnen die Studiochefs mit einem Gewinn von mehr als fünf Millionen Euro. Sabine Schicketanz

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