Nach den BVV-Wahlen : AfD setzt auf Seiteneinsteiger

Fast alle Stadtratskandidaten der AfD stehen fest. In einigen Bezirken kommen Unbekannte zum Zuge – und sollen sich etwa um die Umwelt kümmern.

von und Lisa McMinn
Hier sehen Sie blau. In sieben Bezirken bekam die AfD so viele Stimmen, dass sie einen Stadtratsposten beanspruchen kann. Foto: Carstensen / dpa
Hier sehen Sie blau. In sieben Bezirken bekam die AfD so viele Stimmen, dass sie einen Stadtratsposten beanspruchen kann.Foto: Carstensen / dpa

In Neukölln will man nicht über ihn reden, der Marzahner blieb erst mal ein Phantom, und Pankow hat wochenlang gecastet: Die AfD tut sich schwer mit ihren Stadtratskandidaten. Kurz bevor die Bezirksverordnetenversammlungen am Donnerstag das erste Mal zusammenkommen, haben sich nun aber fast alle AfD-Fraktionen auf einen Kandidaten geeinigt. Nur Neukölln und Lichtenberg lassen noch auf sich warten.

Der Kandidat für Pankow heißt Nicolas Seifert. Darauf haben die Fraktionsmitglieder sich laut Parteisprecher Roland Gläser geeinigt. Über Seifert, der laut Gläser ein "absoluter Topmann" ist, ist kaum etwas bekannt. Erstaunlich ist, dass die Fraktion sich ausgerechnet auf einen Mann festlegt, der der Fraktion selbst nicht angehört. Seifert ist zwar Parteimitglied, aber das nicht in Pankow, sondern in einem anderen Bezirk. Nach Angaben von Gläser ist Seifert in der Wirtschaft tätig und hat noch nie ein politisches Amt ausgefüllt. Selbst in der AfD sei er noch nicht lange Mitglied.

Über den AfD-Kandidaten in Pankow ist wenig bekannt

Ein politischer Neuling ist auch der Stadtratskandidat der AfD in Treptow-Köpenick. Die Kandidatur des 49-Jährigen Bernd Geschanowski steht bereits seit letzter Woche fest. Auch er trat erst vor einem Jahr in die Partei ein. "Seit ich 18 war, habe ich die SPD gewählt", sagt Geschanowski, die sei ihm aber zu weit nach links gerutscht, nun wolle er "selbst aktiv etwas verändern". Geschanowski ist gelernter Schiffsbauer, war lange im Blumengroßhandel tätig, mittlerweile leitet er die Vertriebsabteilung einer Elektrofirma. Seine Einstellung zur Ressortverteilung passt eher zu den Grünen:."Naturschutz ist eines meiner Lieblingsthemen", sagt der Kandidat, "ich habe ein grünes Herz." Die Ressorts Umwelt und Gesundheit sind die kleinsten, die Wahrscheinlichkeit, dass die AfD bei ihrer BVV-Premiere eines von ihnen zugeschrieben bekommt, ist daher hoch.

Umweltressort für AfD als geringeres Übel

In Neukölln ist es andersherum: Hier ist zwar der Kandidat noch unklar, dafür steht aber das Ressort schon fest – Umwelt. Es sei das Ressort, "das am wenigsten mit Menschen zu tun hat", sagte Jochen Biedermann von den Grünen, der selber Stadtrat für Stadtentwicklung, Soziales und Bürgerdienst wird. Natürlich tue es gerade den Grünen weh, dieses Ressort der AfD zu überlassen, aber es sei das "kleinere Übel". Das Amt ist darüber hinaus mit 18 unterstellten Mitarbeitern das kleinste. Die AfD soll ihren Kandidaten in der Bezirksverordnetenversammlung schon genannt haben, der Kandidatur stünden aber noch Formalien im Wege. Die AfD Neukölln stand für Nachfragen nicht zur Verfügung.

In Schweigen hüllt sich auch Thomas Braun, den die AfD von Marzahn-Hellersdorf als ihren Kandidaten für den Stadtratsposten nominiert hat. Möglicherweise bekommt er die Verantwortung für das Bürgeramt, was aber noch nicht ganz sicher ist. Nach Informationen des Tagesspiegels war Braun vor einigen Jahren Leiter des Sozialamtes Friedrichshain-Kreuzberg, kam dann aber in den Personalüberhang. Es soll Rechtsstreitigkeiten mit dem Bezirksamt gegeben haben. Wie berichtet, hatte Braun sich als CDU-Mitglied 2011 vergeblich für das Bürgermeisteramt in Nürtingen beworben. Was er seither beruflich getan hat, ließ die AfD bisher unbeantwortet.

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