Nach der BER-Eröffnung : Businessflieger fordern Offenhaltung von Tegel

Laut des Verbandes der Geschäftsluftfahrt könne der BER nicht genug Passagiere abfertigen. Doch die Businessflieger fürchten auch, verdrängt zu werden, wenn der Hauptstadtflughafen eröffnet wird.

FDP und Geschäftsreisende kämpfen um die Offenhaltung des Flughafens Tegel.
FDP und Geschäftsreisende kämpfen um die Offenhaltung des Flughafens Tegel.Foto: dpa/ Hirschberger

Er meint es sarkastisch. „Wir sind die, die als Bonzenflieger verspottet werden“, sagt Peter Gatz. Er ist Präsident des Verbandes der Geschäftsluftfahrt (GBAA), der die Businessflieger in Deutschland vertritt. Mitglieder sind 70 Firmen, oft Konzerne mit eigener Flugzeugflotte. Kein Luxus, so Gatz. „Für die Manager ist es eine Zeitmaschine, um weltweit Termine in eng gesteckten Zeitplänen wahrnehmen zu können.“ Am Montag lud die GBAA zu einer Pressekonferenz, um für die Offenhaltung des Flughafens Tegel zu werben. Und nicht nur in eigener Sache.

Die Geschäftsflieger fürchten, verdrängt zu werden, wenn der BER eröffnet. Tatsächlich wird der neue Airport in Schönefeld vom ersten Tag an am Limit sein, zumal der Regierungsflughafen ebenfalls von Tegel dorthin umziehen soll. Es fehlten Flächen, die Kapazitäten für Starts und Landungen seien zu begrenzt, warnt Gatz. Für die Business Aviation werde es nicht mehr reichen, zumal Geschäftsflieger nicht wie Airlines ein halbes Jahr im Voraus planen können. Und die Flughäfen im Umland wie Saarmund, Strausberg oder Schönhagen seien keine Alternative, da sie nicht die nötige technische Ausstattung hätten.

Das Hauptargument ist das Passagierwachstum in der Hauptstadtregion

Das Hauptargument aber ist das Passagierwachstum in der Hauptstadtregion, dem die Flughafenkapazitäten nicht gewachsen seien. Einer der kundigsten Experten dafür ist Hans-Henning Romberg, der vor 1996 selbst einmal Flughafenchef in Berlin und zuvor bei der Lufthansa war. Nach dem BER-Fiasko 2012 hatte er als einer der Ersten eine Weiternutzung des alten Schönefelder Terminals gefordert, weil der BER zu klein ist. Heute ist das sogenannte „Double-Roof-Konzept“ offizielle Planung, da BER ohne SXF schon beim Start überfordert wäre. Aber das neue BER-Terminal kann nur 22 bis 23 Millionen Passagieren jährlich abfertigen, so viel wie Tegel. Schon 2016 flogen 33 Millionen Menschen von und nach Berlin.

Und Romberg präsentiert präzise Charts, wie sich das – jenseits zu niedrig angesetzter offizieller Prognosen – weiterentwickeln wird. Er rechnet 2019 mit 40 Millionen Passagieren und 2023 mit 46 Millionen, für die bisher keine Abfertigungskapazitäten in Sicht sind. „Das Minimum wäre, Tegel für Regierungsflüge und Businessflüge offenzulassen“, so Romberg. Außerdem könnte ein eingeschränkter Passagierbetrieb mit kleineren Maschinen hinzukommen, der sich mit dem geplanten Technologiepark verbinden ließe.

Wird Tegel geschlossen, warnt Romberg, hätte das auch negative Folgen für Großevents. Er erinnert an die Endspiele der Fußball-WM 2006 oder der Championsleague 2014, als 200 Jets zusätzlich einflogen, die in Tempelhof bzw. am BER abgestellt wurden. „Das ging aber nur, weil der nicht in Betrieb war.“

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