Nach der Berlin-Wahl : Wer ist Berlins Verkehrssenatorin? Regine Günther im Porträt

Die Grüne Regine Günther soll neue Berliner Verkehrssenatorin werden. Gerade im Klimaschutz konnte sie in der Vergangenheit ihr Profil schärfen.

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Seit 1999 leitet Regine Günther die Klima- und Energieabteilung der Umweltstiftung WWF.
Seit 1999 leitet Regine Günther die Klima- und Energieabteilung der Umweltstiftung WWF.Foto: picture alliance/ Sven Simon

Seit mehr als 20 Jahren verfolgt die Klimaexpertin Regine Günther die Diskussionen um den Klimawandel und seine Bekämpfung global und national intensiv. Und obwohl sie sich bisher aus der organisierten Politik herausgehalten hat, hat Regine Günther schon seit Jahren die deutsche Klimapolitik mitgeprägt. Seit 1999 leitet sie die Klima- und Energieabteilung der Umweltstiftung WWF. Vorher hat sie unter anderem für die Berliner Energieagentur gearbeitet.

Klima-Expertin

Bei den Grünen hat Regine Günther bisher keine Rolle gespielt. Sie hat aber auch die Grünen in Sachen Klimapolitik beraten, wenn sie gefragt wurde. Auch die CDU/CSU-Fraktion im Bundestag hat die 53-Jährige schon als Expertin eingeladen. Und die Bundesregierung sowieso. Da gehört Günther seit Jahren zum engeren Beraterkreis, der die Klimapolitik vordenkt, die irgendwann Jahre später dann manchmal auch Regierungspolitik wird.

Unter Günthers Leitung ist das Klima- und Energiereferat des WWF zu einer großen und schlagkräftigen Abteilung angewachsen.

National hat Regine Günther der Klima- und Energiewende-Debatte mit der umfangreichen Studie „Modell Deutschland“, die das Öko-Institut für den WWF erarbeitet hat, einen entscheidenden Anstoß gegeben. Wann immer Studienvergleiche angestellt werden: „Modell Deutschland“ ist immer ein wichtiger Bezugspunkt.

Der Praxis-Test

Da sie die grüne Parteipolitik bisher nur von außen kennt, wird Günther einiges Geschick brauchen, sich durch die Untiefen der parteipolitischen Grabenkämpfe zu schlagen.

Nach 17 Jahren Politikberatung will sie es jetzt wissen. Vor allem will sie wissen, wie sich eine klimafreundliche Verkehrspolitik umsetzen lässt. Seit Jahren ärgert sie sich darüber, „dass der Verkehr bisher gar nichts zum Klimaschutz beigetragen hat“, wie Wirtschafts-Staatssekretär Rainer Baake (Grüne) am Mittwoch bei der Agenda-Konferenz des Tagesspiegels feststellte.

Weniger Autos

Der Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und Linken bietet der künftigen Verkehrssenatorin einen Rahmen, der ihr gefallen dürfte. Fuß- und Radverkehr sowie der Öffentliche Nahverkehr sollen demnach in den kommenden Jahren Vorrang haben. Das Kapitel zur Elektro-Mobilität ist zwar kurz, aber bietet mit dem Vorschlag, die Taxi-Flotte auf E-Autos umzurüsten, ebenfalls einen Handlungsvorschlag an. Für Günther ist es keine Frage, dass weniger Autos auf den Straßen fahren sollten, und wenn, wenigstens elektrisch und mit erneuerbaren Energien geladen.

Dem Fach-Magazin „Bizz Energy Today“ sagte sie: „Sowohl die deutsche Politik als auch die Hersteller sehen Elektroautos mehr als Aushängeschilder von Klimaschutzaktivitäten denn als echte Konkurrenz für konventionelle Fahrzeuge.“ Das müssten sie aber werden.

Zukunftsaussichten

Wenn Günther Erfolg hat, wird sie zum nächsten Weltklimagipfel in einem Jahr in Bonn als Verkehrs- und Klimasenatorin Berlins anreisen, die gute und praxistaugliche Umsetzungsvorschläge im Gepäck hat. Vielleicht schafft sie es sogar, die unzähligen Berliner Klimastrategien früherer Legislaturperioden zu praktischer Politik zu machen. Das würde dem Klima nützen, und Berlin hätte künftig in den internationalen Städtebündnissen mehr reale Erfolge vorzuweisen.

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