Nach der Berlin-Wahl : Wer sind die neuen AfD-Stadträte?

Welche Politiker ziehen für die AfD in die Rathäuser ein? Was gehört zu ihren Aufgaben und welche Ziele haben sie? Ein Überblick nach Bezirken.

Lisa McMinn
Bernd Geschanowski (AfD) wird als Stadtrat für Gesundheit und Umwelt in Treptow-Köpenick vereidigt.
Bernd Geschanowski (AfD) wird als Stadtrat für Gesundheit und Umwelt in Treptow-Köpenick vereidigt.Foto: Theo Schneider

Reinickendorf integriert, Lichtenberg blockiert, und Neukölln rätselt noch, wer da eigentlich kommt – jeder Bezirk geht mit seinem AfD-Stadtrat anders um. In sieben Bezirken stellt die AfD zukünftig einen Bezirksstadtrat und übernimmt somit politische und behördliche Verantwortung. Zwar erhalten sie alle nur kleine Ressorts, doch die sind teilweise eine große Herausforderung – so wie die Bürgerämter in Reinickendorf oder die Parkplätze in Pankow. Ein Überblick.

TREPTOW-KÖPENICK

Als der AfD-Fraktionsvorsitzende Alexander Bertram vor einer Woche im Rathaus Treptow seinen Kandidaten, Bernd Geschanowski, vorstellt, ist der zukünftige Stadtrat auffallend wortlos. Es ist die erste Bezirksverordnetenversammlung in dieser Wahlperiode, und die erste im Leben von Bernd Geschanowski.

Ein politisches Amt hatte er noch nie inne, AfD-Mitglied ist er seit knapp einem Jahr. Bertram sagt über Geschanowski, er sei ein Mann „der nicht die großen Reden schwingt, sondern der schaut, dass alles funktioniert.“ Es braucht drei Wahlgänge, bis Geschanowski Stadtrat ist. Als er zum Ende der Sitzung seinen Amtseid ablegt, zitterte seine zum Schwur gehobene Hand. Mehrfach kommt er ins Stocken.

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Geschanowski ist der erste AfD-Stadtrat, der schon arbeitet

Das Lachen aus dem Publikum ist verunsichernd. Seine Wangen sind noch überzogen von roten Flecken, als er nach der Sitzung mit seinen Parteifreunden zusammensteht, am Rande der Runde, stumm. Die AfD ist isoliert.

Geschanowski hatte schon viele Jobs: Schiffbauer, Blumengroßhändler, auch „Internetpionier“ soll er laut Fraktionssprecher Bertram gewesen sein. Zuletzt vertrieb Geschanowski Elektroartikel, das war vergangene Woche. Seit dieser Woche ist er Mitglied des Bezirksamts Treptow-Köpenick.

Geschanowski ist der erste AfD-Stadtrat, der tatsächlich schon arbeitet. Zwei Ämter sind ihm unterstellt, Gesundheit sowie Umwelt- und Naturschutz. Ein kleiner Auszug aus der To-Do–Liste dieser Ämter: Müllentsorgung, Artenschutz, Kleingartenwesen und Katastrophenschutz. Eine Menge Arbeit. „Ich muss die Abläufe nun selbst erstmal komplett erfassen und verstehen“, sagt Geschanowski am Dienstag, seinem dritten Arbeitstag.

Nicht nur eine kognitive, auch eine logistische Herausforderung, denn das Amt für Umwelt- und Naturschutz liegt im Plänterwald, also sieben Kilometer von seinem Stadtratsbüro in Adlershof entfernt. Jeden kennenzulernen, vor allem die Mitarbeiter, nicht nur die Amtsleiter, das ist Geschanowski wichtig, sagt er.

REINICKENDORF

Am anderen Ende der Stadt, in Reinickendorf, gibt es noch einen zweiten AfD-Mann, der sich bereits Stadtrat nennen darf: Sebastian Maack. Dem 47-Jährigen wurde das Amt für Bürgerdienste und Ordnungsangelegenheiten übertragen. Maack bringt politische Erfahrung mit, 30 Jahre lang war er Mitglied der CDU. Ganz so weit wie sein Kollege Geschanowski in Treptow-Köpenick ist er dennoch nicht, der IT-Berater muss noch ein berufliches Projekt abwickeln, bevor er loslegen kann. Dann erst wird er sich den Bürgerämtern widmen.

Anfang Dezember ist Maacks erster offizieller Diensttag

„Das Bürgeramtsressort empfinde ich als positiv“, sagt Maack, Prozessoptimierung gehöre zu seinen Stärken. Wie er die Betriebsabläufe verbessern will, weiß er schon: mehr Effizienz, aber keine neuen Stellen. Das klingt nach einem Widerspruch? Selbstbedienungsterminals sind Maacks Lösung. Die gibt es auch schon in den Bürgerämtern von Marzahn-Hellersdorf und werden für Fotos und Fingerabdrücke genutzt – das soll den Mitarbeitern Arbeit abnehmen, und Zeit sparen.

Auch Maack will zunächst mit dem Personal sprechen: „Ich habe Demut davor, zu einem Menschen zu gehen, der seit 30 Jahren seinen Job macht und ihm zu sagen, wie es besser geht“, sagt Maack. Bisher hätten die Mitarbeiter ihn herzlich aufgenommen. Auch wenn es Vorurteile gegen die AfD gibt, sagt er, hier hätte er sie nicht gespürt. Maacks Büro in der Teichstraße wird noch hergerichtet, sein erster offizieller Diensttag wird Anfang Dezember sein.

Sebastian Maack
Sebastian MaackFoto: Privat

MARZAHN-HELLERSDORF

Im Nachbarbezirk Marzahn-Hellersdorf werden die Bürgerämter bald ebenfalls von der AfD gemanagt. So viel steht, einigermaßen, fest. Denn gewählt wurde hier noch niemand – kein Bürgermeister, kein Stadtrat, und vor allem kein Thomas Braun. Der ist Kandidat der AfD und nach wie vor ein Phantom. Offiziell sprechen möchte er erst, wenn er im Amt ist. So lange bleiben nur diese Informationen: Auch Braun ist ein ehemaliger CDU-Mann.

Der 60-Jährige scheiterte an zwei Wahlen in seiner Heimat Baden-Württemberg, einmal wollte er „Sozialbürgermeister“ in Freiburg werden, ein anderes Mal Bürgermeister von Nürtingen. Kurzzeitig leitete er das Sozialamt in Friedrichshain-Kreuzberg. Was genau er jetzt macht, verrät sein Fraktionsvorsitzender Rolf Keßler nicht, er sei aber nach wie vor Beamter, und zwar in Berlin. Für die anderen Parteien in der Bezirksverordnetenversammlung blieb Braun bisher gesichtslos. Er hat sich noch nicht vorgestellt. Das soll sich am Montagabend ändern. Dann werden sich alle Kandidaten für das Bezirksamt in der Fraktionssitzung jeder Partei präsentieren.

Gewählt wird voraussichtlich am 10. November. Der Zuschnitt der Ressorts ist zwischen Linken, SPD und CDU grundsätzlich verabredet, um Details wird aber noch gerungen – gerade im Hinblick auf die Personalie Braun.

Thomas Braun
Thomas BraunFoto: Privat
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