Nach der Festnahme : Das Versteck des Bombenlegers

Der Fall Peter John: Der Bombenleger ist in Haft, sein Versteck geräumt – und seinem Opfer geht es besser.

Christoph Stollowsky
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Mannshohes Gestrüpp schlägt ins Gesicht. Mit gesenktem Kopf muss man sich durch die Zweige schieben, um die Augen zu schützen. Kein Pfad weit und breit in diesem verlassenen Waldstück zwischen Rahnsdorf und Schöneiche. Nur hin und wieder sind Autogeräusche von der 100 Meter entfernten Landstraße, dem Alten Fischerweg, zu hören. Die Füße versinken in modderigen Nadeln, winterkahle Kiefern stehen so eng beieinander, als müssten sie sich gegenseitig stützen. Ein Forst zum Verirren. Hier hat sich Peter John, der Bombenleger von Rudow, vermutlich tagelang während der Großfahndung der Polizei versteckt – in einer perfekt getarnten Holzhütte, die das Auge erst wahrnimmt, wenn man kurz davorsteht.

Nach seiner Festnahme am Sonnabend im Ostbahnhof hatte John bei seinem Geständnis wie berichtet auch sein Versteck verraten. Mit äußerster Vorsicht untersuchten Beamte den fachmännisch gezimmerten Unterschlupf im Wald, weil nicht klar war, ob dort Sprengstoff lagerte. Sie entdeckten eine für längere Aufenthalte eingerichtete Bleibe im Stil einer Laubenpieperhütte, gefährliche Chemikalien waren aber nicht vorhanden. Inzwischen rechnet die Staatsanwaltschaft auch nicht mehr mit versteckten Sprengfallen, die John gelegt haben könnte, um Verfolgern zu entkommen.

Der 32-jährige sitzt inzwischen wegen versuchten zweifachen Mordes in Untersuchungshaft. Seine Nichte Charlyn war durch einen Sprengsatz, den er in den Briefkasten ihrer elterlichen Wohnung in Rudow gelegt hatte, lebensgefährlich verletzt worden. Bei einem zweiten versuchten Anschlag auf seinen Schwager war die Bombe nicht explodiert. Die Staatsanwaltschaft will jetzt den geistigen Zustand Peter Johns prüfen lassen.

Ob er den Unterschlupf im Wald selbst gebaut hat, ist bislang unklar. „Diese Hütte haben wir schon vor drei Jahren mal zufällig entdeckt“, erzählte am Montagmittag ein Mitarbeiter der Revierförsterei, deren Wirtschaftshof am S-Bahnhof Rahnsdorf nur rund einen Kilometer von Johns Versteck entfernt liegt. Schon damals habe man sich gefragt, wer der Erbauer sei, aber dann die Hütte wieder vergessen, „weil diese Ecke total abseits liegt“. „Als ich die Hütte heute früh in der Zeitung sah“, so der Forstmann, „ist mir beinahe die Kaffeetasse aus der Hand geflogen.“ Für Berlins Waldarbeiter seien derartige Hütten „nicht ganz ungewöhnlich“, erklärte am Montag die Forstverwaltung. „Solche Verstecke entdecken wir immer wieder in verschiedsten Wäldern“, hieß es. Oft würden sie von Obdachlosen gezimmert. Man beobachte in der Regel genau, ob sie bewohnt würden. „Geht eine Gefahr für den Wald davon aus, müssen wir einschreiten.“

Peter John vermied Flammen schon alleine, um nicht entdeckt zu werden. Seine Hütte – die von der Polizei nahezu leer gemacht wurde – steht in einer etwa eineinhalb Meter tiefen Grube, nur das mit einer Tarnplane und braunen Nadeln bedeckte Dach ragt über den Boden hinaus. Die Grubenwände sind mit Stämmen befestigt, im unverglasten Fenster hängt ein Fliegennetz, eine Schlafpritsche ist auf vier Pfählen aufgebockt. Und direkt vor dem Unterstand ragt ein Ausguck zwei Meter über’s Gestrüpp: vier Stämme, darauf eine festgenagelte Holzpalette.

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